Eine Nacht, in der nicht der Verstand führt, sondern das Herz...


Lange habe ich ihm nicht mehr erlaubt die Regentschaft zu führen.

Weil ich spürte, wie zerbrochen in tausend Scherben es war.

Doch wir Menschen möchten stark sein. Mutig. Und kraftvoll...


Aber ich war es nicht mehr, bin erst mühsam auf dem Weg zurück dort hin.

Und doch gestand und gestehe ich es mir zu: Es ist das angemessene Gefühl! 

Für alles, was in den letzten Monaten geschehen ist. 

Obwohl ich dachte, schon ziemlich viel ertragen zu haben.

Aber DAS übertraf dann doch noch vieles, weil ich es nie erwartet hätte...


Niemand vermag ungeschehen zu machen, was nun einmal passiert ist.

Und niemand kann von mir erwarten, dass ich es vergesse und verzeihe.

Ganz gewiss bin ich keine Rachegöttin, das wiederstrebt meiner Seele.

Doch mein Herz sagt: "Kämpfe! Um dich! 

Um das, was du warst und um alles, was du wieder sein könntest!"

Aber wie schwer ist das...


Ich versuche viel zu schlafen, meine Seele und den Körper auszuruhen.

Aber wenn ich erwache, dann befinde ich mich doch am selben Ort!

Und alles bricht über mich herein, als sei es erst gestern gewesen...

Ich möchte dann zornig werden, hassen vielleicht sogar.

Aber das liegt nicht in meiner Natur. Da ist nur tiefste Trauer...


"Ssemjon" hat mir geschrieben. Vom fernen Polarkreis.

Dass ich gern kommen kann, immer ein Zimmer für mich bereit sein wird.

Was mich spüren lässt, dass ich willkommen sein werde,

so unendlich weit im Norden, wo die Welt karg und fast zu Ende ist.

Es passt zu mir, zu dem, was ich fühle...


Etwas Wärme braucht es noch, Mitte März wird es gehen.


Vielleicht gelingt es mir danach loszulassen, woran mein Herz (zu?) lange hing.

Menschen, die ich mehr liebte als mich selbst. Mein Haus, das mein Heim war.

Also eigentlich alles, das bisher mein Leben ausgemacht hat.

Und zu verschwinden an einen Ort, an dem es fast nichts gibt....


Nur wenige Häuser, eine winzige Insel mitten im eisigen Nordmeer.

Zu Menschen, die auch gegangen sind. Oder gekommen.

Von irgendwo. Allein. Oder gemeinsam.

Fast ans Ende der Welt und in die Dunkelheit der Polarnächte.



Ich hätte mir so etwas noch vor kurzem nicht vorstellen können. 

Doch jetzt vermag ich es! 

Denn das Eis, das mich umgeben wird, kann nicht kälter sein als hier...





Auch wenn ich immer weine werde, um alles was ich verloren habe...