In der Nacht vor der langen Fahrt schlief ich elend schlecht.

So viele Gedanken gingen mir durch den Kopf.

Was würde sich alles verändern, wenn das Haus mir gefiele?

Wäre es richtig in meiner Lebenssituation in eine solche Ferne zu ziehen?

Was würde mich dort erwarten? Isolation? Einsamkeit?

Oder waren die dortigen, sehr engagiert miteinander lebenden Menschen,

bereit für Zugezogene aus fernen Regionen?


Im Bereich der Weserbrücke stockte der Verkehr im Stau, was erwartbar war.

Aber mein Zeitfenster war weit gefasst, ich brauchte mir keine Gedanken zu machen.

Danach rollte der Verkehr ruhig dahin und mein Blick auf den Tacho war beruhigend.

Stunden um Stunden gingen ruhig dahin, wie meine Gedanken auch.

Ich war auf alles eingestellt zwischen schwerer Enttäuschung und großem Triumph.

Erst als die Straßen sich immer höher schraubten und zugleich schmaler wurden,

da begriff ich es: Dass ich gleichermaßen in eine ganz andere Welt eintrat...


Wald. Wald. Wald. Und viel Schnee, den ich verzückt wahrnahm.

Zugleich stieg der Gedanke auf, dass der alte Berli(ngo) Schneeketten brauchen würde.

Zum ersten Mal, in seinem hohen Alter von fast drei Jahrzehnten.

Zugleich überlegte ich was bei einer Panne zu tun wäre.

Ausweichen auf den Straßenrand wäre unmöglich, denn es gab keinen.

Was auch bedeutete, dass man dort nicht mit einem Rad unterwegs sein konnte.

Oder gar laufen. Wo täte ich es dann? Im tief verschneiten Wald?


Endlich die Ausfahrt, mit dem Blick ins Tal, wo das Holzhaus wartete.

Ich war viel zu früh, der Maklertermin sollte Stunden später sein.

Aber in meiner Sorge vor der langen Fahrt und den Straßenverhältnissen

hatte ich den Besichtigungszeitpunkt extra spät angesetzt, um ganz sicher zu sein.

So, wie die Straße sich nach oben geschraubt hatte, so fiel sie nun ab.

Im Tal zeigte sich eine tief verschneite Winterzauberwelt, wie ein Märchen...



Abzubiegen war nicht notwendig, man fuhr direkt auf das Haus zu.

Das mir mit seiner rot-weißen Holzfassade wie vertraut entgegen leuchtete.

Ein Parkplatz ließ sich rasch finden, mein Eindruck auch.

Hätte ich das an sich entzückende Objekt mit Riesenhänden ergreifen

und an einen anderen Platz zu setzen vermocht:

Ich hätte es sofort gekauft, aber eben das war unmöglich 

und brach der Sache sofort das Genick!


Denn das Objekt der Begierde stand als vorderstes Haus von dreien 

auf einer Verkehrsinsel, mit schmalsten Bürgersteigen rechts und links. 

Zwei Häuser mit ihm (dahinter in der Reihe) und ebenfalls leerstehend.

Wie viele andere Häuser in der Umgebung auch...

 Menschen waren keine zu sehen, nur eine einzige Frau mit drei Hunden. 

Alle anderen Häuser der Umgebung waren offenbar auch unbewohnt.


Wollte ich an diesem Ort den Rest meines Lebens verbringen?

Auf diesen traurigen Verfall und Leerstand schauen?

Mein "Urteil" stand schnell fest und ich schickte dem Makler eine SMS.

Ein IKEA (viele Stunden später) tröstete mich. Er war so fremd. Und zugleich vertraut.

Der Kaffee war kostenlos wie daheim und der Geschmack identisch.

Ich war mit allem versöhnt und irgendwie erleichtert.

Mein Wunsch war: Hoffentlich habe ich eine feste Meinung und bin nicht unsicher!


Das war der Fall. Neue Türen würden sich auftun. 

Es gibt viele interessante Länder und Häuser...

Irgendwo wartet eines auf mich, daran glaube ich ganz fest!

Und jenes Zuhause in mir selbst, das kann mir ohnehin niemand nehmen...