Wieder einmal ein kühler Abend, aber ich laufe 15.000 Schritte wie so oft.
Vom Wohnzimmer in die benachbarte Küche, bis zur Fensterwand.
Und zurück bis zur Wand an der anderen Seite.
Oft werde ich diesen abendlichen Weg nicht mehr gehen, wie gerade eben.
Ich habe heute allen Mut zusammengenommen.
Versucht meine Stimme nicht brechen zu lassen.
Und dann habe ich ausgesprochen, was gesagt werden musste:
"Ich werde gehen, wenn du in Brandenburg sein wirst!
Mitnehmen, was mir gehört. Weil ich am Ende angelangt bin.
Es tut mir leid, dass es nun so endet, in unserem elften Beziehungsjahr.
Aber ich kann einfach nicht mehr!
Du hast mir meine Familie genommen, geschreddert, was mir das Liebste war.
Ich kann dir nicht verzeihen. Und ertrage die Situation nicht länger!"
Er starrte weiter auf die gegenüberliegende Wand, ohne Antwort.
Ich werde nichts mitnehmen, was mir nicht gehört.
Erinnerungen an diese elf Jahre brauche ich nicht.
Muss nach vorne schauen. Auf jene Jahre, die mir vielleicht noch bleiben.
Hoffentlich hält mein kaputter Rücken durch, denn Hilfe habe ich nicht.
Ich hatte eine einsame Kindheit und bin nun wieder in so einer Situation.
Aber ich ertrage hier nichts mehr, ich muss fort!
Ihm und meiner Tochter wünsche ich, dass sie glücklich miteinander werden.
Aber in allererster Linie wünsche ich mir,
dass ich noch eine gute Zeit vor mir habe,
in der ich wandern/reisen kann, nicht mehr so einsam bin,
wie ich es in all' den Jahren hier war.
Ich muss nur meine frühere Kraft und meinen Mut wiederfinden.
Ich hoffe, ich hol' mich zurück!
Das letzte Streichholz brennt dann für mich. Ja!
