Wenn man in alten Blogs liest könnte man wehmütig werden.

Weil sie uns zurück in eine Zeit führen, die längst Vergangenheit ist.

Mein "Upcycling"-Blog von vor zehn Jahren gehört dazu.

Ein Jahrzehnt später grabe ich ihn in den Weiten des Internets aus.

Und füge einen letzten Eintrag als Abschluss für ihn hinzu:




Montag, 15. September 2025

              

Lange ist es her, dass ich hier war. Sehr lange... 

Vielleicht, weil mein Leben sich so sehr verändert hatte. Es kann aber auch möglich sein, dass es aus diesem neuen Leben nichts mehr zu berichten gab. Da gab es nur noch schwarz und weiß, aber kaum etwas dazwischen. Ach, da geht es schon los: Denn das stimmt so nicht! Es gab nur noch die Mischfarbe: GRAU. Ein gruseliges, ersticktes und nicht wirklich existierendes Leben. Nur ein "sein". Das ich so nie gewollt oder mir gewünscht hätte...

Was nun ist, das hat wieder Farbe(n). Aber habe ich mir diese gewünscht? Ich erinnere mich nicht, wann genau es begonnen hat. Weil ich nicht Akteurin war in einer Geschichte, die ein Kitschroman sein könnte, wenn sie nicht Realität wäre. Eine für mich traurige allerdings...

Vor mir stehen durchsichtige Boxen vom großen schwedischen Möbelhaus. In sie verpacke ich meine Habseligkeiten. Kleine und große. Die so sind wie meine Sorgen. Weil ich nicht sagen kann, wie alles sein wird, weil ich noch einmal in mein geheim-nisvolles historisches Haus zurückkehren werde. Denn nach mehr als einem Jahrzehnt der Beziehung trenne ich mich vom früheren Helden, der sich am Ende als ein Lügner und Betrüger herausstellte...

Dass da irgendetwas nicht stimmte, das hatte ich irgendwann und mit der Zeit zunehmend bemerkt. Aber ich kam ihm nie auf die Spur. Vielleicht, weil ich das wahre Ausmaß unterschätzte. Oder mir erfolgreich einredete, dass es den Idealmenschen nun einmal nicht gibt. Nicht im Teenageralter und schon gar nicht, wenn man dieses seit Jahrzehnten überschritten hat. Niemand ist ohne Fehler. Oder mängelfrei...

Aber es gibt Grenzen, die nicht überschritten werden sollten. Oder dürften. Und eben das war der Fall. Es war sogar weit mehr als das. Für mich jedenfalls. Und ich bin mir sicher, dass jede Frau das zu 100% auch so sehen würde. Ich wollte in einem nun wirklich sehr erwachsenen Alter nicht albern werden. Und so etwas wie Eifersucht auf's eigene (ebenfalls längst erwachsene) Kind entwickeln. Das war für mich genauso undenkbar, wie ein Papst, der sich plötzlich entscheidet Vater zu werden...

Doch ich habe mich getäuscht! Nicht im Vatikan, aber innerhalb meiner Familie. Und meiner Beziehung, die da schon seit mehr als zehn Jahren bestand. Das Undenkbare war eiskalte Realität geworden. Damit verlor ich die beiden Menschen, die mir so nahe standen wie niemand sonst. Und meinen Sohn gleich dazu. Weil zwischen Baum und Borke stehend...

Nun schaue ich auf die gefüllten Boxen und Kartons, die täglich mehr werden. Und frage mich, wo im uralten Haus sie bald ihren Platz finden werden. Das wieder einmal einer kompletten Reno-vierung bedarf. Seltsam, es ist mir, als käme diese immer wieder nach einem Jahrzehnt auf mich zu. Als finge alles ständig erneut von vorne an, wie eine Art Endlosfilmspule...

Aber ich möchte das nicht! Ich möchte an einem Ort zu Hause sein. Wissen, wohin ich meine Schuhe stelle, wenn ich heim-komme. Wo die Jacke und der Rucksack ihren Platz haben, an den sie gehören. Wo vor allem mein Platz ist. Das Bett, in dem ich ruhige Nächte verbringe. Der Lichtschalter, der es hell im Raum werden lässt. Aber das alles wird nicht so sein. Ich kehre in ein lange verlassenes Haus ohne Heizung, Internet und Fern-seher zurück. Stille und Kälte erwarten mich. Wenigstens gibt es (nach vielen Tücken) endlich wieder fließendes Wasser, wenn eben auch kalt. Wahrlich kein Traum, wenn man sich nach Wärme so sehr sehnt...

Die Nachbarn von früher gibt es nicht mehr. Die Freunde von einst gingen auch verloren. Aber ich war schon in meiner Kind-heit stark, weil ich es sein musste. Und nun ist es wieder so. Es tat mir in den letzten Tagen gut hier in den alten Seiten zu lesen, besonders der Eintrag: 

"Eine Liebesgeschichte... Kapitel 13"

Weil ich auch damals einen tiefen Schmerz verspürte, der mich nach vielen Jahren eingeholt hatte und gerade auf dem Jakobs-weg. Obwohl man sagt, der Camino gäbe jedem genau das was er brauche, ist es mir erst dort deutlich geworden. Dass man damit leben muss. Dass so etwas nie wirklich vergehen wird, sich nicht einfach so unter dem Thema "Vergangenheit" abhef-ten lässt...

Auch jetzt werde ich mich dem stellen müssen. Im Haus, in dem mir viel an Leid zugefügt wurde. Von dem ich damals dachte, dass ich es nie überwinden könnte. In dem ich aber auch fröh-lich war, lachte, sang und tanzte, an guten Tagen. Ich hoffe, dass ich diese tapfere und fröhliche Frau wiederfinden werde. 

                     


Weil das Leben sich immer einen Weg sucht. 

So lange es besteht...

        

     

 

                      


Während ich das Video so anschaue, da erinnere ich mich zwangsläufig...


Fliege im Senegal in aller Hergottsfrühe auf meinem braunen, 

ehemaligen Rennpferd über die Savanne, ganz ohne Sporen.


Überhole lachend den Reitlehrer, der brüllt: "Das kostet 'ne Kiste Bier!"  


Na, das war es doch allemal wert!


Übrigens: Ich würd' es wieder tun. Ja!!!