Wie oft im Leben liegt alles in Augenblicken nahe beieinander,

Freud' und Leid gehören zum Dasein dazu, sind scheinbar unvermeidbar Geschwister.

Täglich bin ich ich im Emder Haus, klettere die vielen Holzstufen nach oben.

Um Material an den richtigen Standort zu bringen. Werkzeug. Den Skizzenblock.


Aber auch der Innenhof ist zwangsläufig ein Ort des Geschehens.

Der unbebaute Grundstücksteil ist relativ klein, nur wenige Amsterdamer Fuß breit.

Als ich für einige Jahre in Hamburg arbeitete, da wurde mein Anteil quasi gekapert.

Die Nachbarin entnahm die Klinkersteine, schüttete Gartenerde auf und pflanzte...


Als ich zurückkehrte war ich geschockt, aber wollte keinen Unfrieden. 

Dann wurde das Nachbarhaus von ihr verkauft und neue Besitzer zogen ein.

Es sind Investoren und die Geschichte der holländischen Häuser interessierte sie nicht.

Ein anderer Zaun zog ein und andere Pflanzen kamen, alles verwilderte weiter...


Aber nun ist Schluß damit, denn ich kämpfe um das, was mir zusteht. 50 Prozent!

Ich will kein Gestrüpp, keinen wuchernden Efeu, keinen Baum voller Pflaumen.

Der kann weg, so einigen wir uns. Wenn ICH ihn fälle, ist ja logisch. Oder auch nicht.

Über meine männliche Hilfe bin ich sehr froh, denn der Baum ist haushoch...


Zuerst fallen untere Zweige mit Massen von Zwetschgen, dann sind die oberen dran.

Ein langes Seil soll Unfälle verhüten und ich habe diese Verantwortung.

Auf ein schon marodes Dach des Nachbarn darf das dicke Teil nicht fallen.

Auf den Baumfäller aber auch nicht, es gilt den richtigen Moment zu erwischen...


Ich schwitze vor Aufregung und alles geht gut, nur meine Hand hat Wunden vom Seil.

Später gilt es alles per Zange zu zerlegen und passend für den Schredder zu machen. 

Das gibt meinen Verletzungen den Rest und eine schlaflose, schmerzvolle Nacht folgt.

Ich bin wach, desinfiziere, kühle, verbinde. So ein Mist aber auch!!


Zu allem Pech kommt heute der Installateur, der soll einen großen Heizkörper kappen.

Das große Ding hängt im Schlafzimmer. Ja, dem mit der Dschungeltapete!

Ein kleineres Exemplar habe ich schon gekauft und montiert ist es auch bereits.

Aber eben an einer anderen Wand unter dem Fenster, wie es sich gehört...


Der handwerkliche Mann ist mir noch völlig unbekannt, was mich verunsichert.

Er trennt Rohre, verbindet, lässt Wasser ab, füllt, bleibt ruhig dabei. Ich bin froh!

  Ist er Ostfriese? Nein, seine Eltern sind "Wolgadeutsche" und wanderten einst aus.

Eine Last fällt von mir ab. Ein netter Mensch, mit 100 € Gebühr bin ich noch gut dran.


Wenn es im Bad vorangeht brauche ich ihn wieder, mit der Heizung geht's nicht.

Zu alt sagt er. Bj. 1987, aber insgesamt nur 15 Jahre lang gelaufen. Hilft nichts.

Mit einem netten Schornsteiger könne man viel erreichen, meint er.

Den hab' ich aber nicht. Der zuständige ist leider recht herrisch und aggressiv.


Am Abend desinfiziere ich meine Wunden und kühle die dick gewordene Hand.

Der Schmerz lässt nach, das Schlimmste ist überstanden. Für heute. Hoffentlich!

Morgen geht's weiter, die Zeit läuft und der Herbst naht mit Riesenschritten.

Da muss ich durch, wie auch durch anderes, privates...


Normalerweise bin ich keine Meisterin des Verdrängens, lieber kläre ich.

Aber manchmal ist eben gerade das nicht möglich, dann schleppt man Lasten mit sich.

Ein Geburtstag stand an. Der auch für mich einmal "Geburts-Tag" war.

Ach, wie liebte ich das kleine neugeborene Wesen mit dem ernsten Blick!


In diesen Zeiten ist er wieder auf mich gerichtet. Aber ich bin nicht mehr wer ich war.

Eher zutiefst enttäuscht. Und verletzt. Sprachlos über diesen Betrug.

Ich schweige bis kurz vor Mitternacht. Schreibe dann doch eine Mail. 

Zu tief der Schmerz. Aber zu stark auch die Liebe. Und wieder herrscht Schweigen...



Für die Erde leben wir nur in Augenblicken.

Für Menschen ist es ein ganzes Leben. Warum können wir nicht glücklich darin sein??

Ich möchte leben und nicht nur existieren! 

In der relativ kurzen Zeit die mir noch bleibt...