Manchmal gehe ich einfach nur durch die Stadt.

In der ich so viele Jahre lang gelebt habe.

Aus der ich über so lange Zeit fort war.

Sie hat sich sehr verändert, vieles erkenne ich kaum wieder.

Auch ich habe mich geändert, was ist geblieben von mir?
Von der Frau die kreuz und quer über Jakobswege in Spanien und Portugal lief.

Die so gern lachte, tanzte, mit Menschen sprach...


Was ist übrig davon? Ich weiß es im Moment nicht.

Ich weiß gar nichts mehr, vielleicht weil so viel zerstört ist in mir.

Gestern habe ich viel geweint, heute mich aufgerafft, weil es einfach sein muss.

In der Nacht habe ich geträumt, dass mein Haus über mir zusammenbricht.

Ich unter den schweren Schuttbergen ersticke und mich nicht zu befreien vermag.

Real wölben sich zwei Hauswände nach außen, eine davon ist brüchig.

Putz wird da nicht genügen, er wäre nur Kosmetik am uralten Haus...


Zum ersten Mal saß ich heute in der Küche auf einem Stuhl.

Nein, nicht voller Freude, sondern vor Schmerz.

Ich kann mich kaum noch rühren, vom Kopf bis zu den Schenkeln.

Statt zwei Schmerztabletten zuvor nehme ich nun vier pro Einnahme. 

Doch von der Wirkung ist fast nichts zu spüren, ich jammere leise vor mich hin.

Es hört mich ja niemand, keiner sieht meine Schwäche und Mutlosigkeit.

Immer stark zu wirken und an sich zu glauben ist das Geheimnis...


Noch gibt es nichts, kein Wasser, keinen Fernseher, kein Internet, keine Heizung.

Den 31.September habe ich mir als deadline gesetzt, dann will ich "zu Hause" sein. 

Nicht auf alles habe ich Einfluss, Handwerker sind im Urlaub.

Verträge noch nicht umzustellen, manche Menschen möchten alles nur für sich.

Tränen schwächen, höhlen aus, legen sich als schwere Last auf die Seele.

Und darum darf ich sie nur selten zulassen, muss einfach stark bleiben! 


Zwei Wände im Schlafzimmer sind nun mit der Dschungeltapete beklebt.

Affen turnen durch Palmen und Urwaldranken, verdecken altes. 

Jetzt muss ich mit dem Laminat anfangen, um den Kleiderschrank aufzustellen.

Den es noch gar nicht gibt, aber den ich unbedingt brauche, um Ordnung zu schaffen.

Immer stellt sich die Frage nach dem nächsten Schritt und oft bin ich mir unsicher.

Was sicher normal ist nach einer Trennung, die so nie gewollt war.

Warum ist nur alles so gekommen, wie es sich jetzt darstellt??!



Aber befragt uns das Leben dazu? Nur sehr selten und manchmal nie.

Doch alles beginnt mit dem Anfang danach. So sagt man...