"Es muss weitergehen", immer wieder sage ich mir das.
Und suche in meinen alten Kartons, die hier nie ausgepackt wurden,
nach Überbleibseln meines alten Lebens, die ich zurückbringen möchte.
Man begegnet dabei jenem, was man längst vergessen hatte.
Und anderem, das man gern vergessen hätte, was aber nie gelang.
Es ist ein Wiedersehen mit dem früheren Leben,
das sage und schreibe mehr als ein Jahrzehnt lang praktiisch eingemottet war...
Was brauche ich, was nicht mehr, was werde ich vermissen, was loslassen wollen?
Ich prüfe gründlich und verstaue alles was mich begleiten soll in Boxen.
Jene staple ich unten im Flur, neben der Haustür, dann ist der Weg kürzer.
Zum braven alten Berlingo, der wieder einmal mein Lastesel sein wird.
Er hat nur einen Laderaum und keine Sitzbank, das ist erneut optimal.
Ich stapele möglichst perfekt, um den Stauraum gut zu nutzen.
Und fülle am Ende eventuell noch vorhandene kleine Lücken aus...
Heute stände der Transport ins Emder Haus an, aber es geht mir gar nicht gut.
P. um Hilfe zu bitten fällt mir nicht leicht, aber es bleibt mir sonst nichts übrig.
Höhnisch kommt die Antwort: "Die paar Sachen schaffst du auch gut alleine!!"
Schon auf der Fahrt am Deich entlang sackt mein Kreislauf ab.
Normalerweise würde ich unter solchen Umständen überhaupt nicht
mit einem Auto fahren, wie schnell ist ein Unfall passiert...
Heil komme ich trotzdem an, aber es gibt keine Parklücke am Haus, ich ahnte es!
Also hintere Türen auf, Haustür aufschließen und los, es hilft ja nichts!
Zwei Stapel zum Haus gebracht und schon muss ich mich hinsetzen.
Der Rücken schmerzt, im Kopf pocht und im Magen rebelliert es.
"So geht es nicht", denke ich. Da fährt ein Auto weg. Erleichterung!
Mit jedem Stapel geht es mir schlechter. Weiter geht nicht, zurück auch nicht...
Unvermittelt steigen mir Tränen auf. Warum ist überhaupt alles so wie es ist?
Ich werde zurückfahren müssen mit dem fast vollen Fahrzeug.
Und "er" wird sich grinsend freuen und sich die Hände reiben.
Mehr oder weniger verzweifelt sitze ich auf der Stufe in der Haustür und weine.
Ein kleiner, älterer Mann schlurft vorbei. Kaputte Schuhe, ebensolches Leben.
"Soll ich ihnen helfen gegen ein bischen Geld?" das fragt er tatsächlich...
Und er tut es, der Engel in Lumpen und Schmutzschicht.
Binnen eineinhalb Stunden ist das Fahrzeug leer und ich habe alles aufgestapelt.
Der Mann freut sich über den Geldschein mehr und den Händedruck weniger,
aber vielleicht ist es auch umgekehrt. Er würde gern wieder helfen -
ich kann aber nicht sagen wann ich erneut da bin und ob überhaupt.
Denn es geht mir schlecht, das Herz schlägt im Hals, der Kreislauf streikt...
Dass ich mich sofort hinlegen muss ist mir klar, aber wo denn nur?
Alles ist zugepackt, jede kleinste Fläche, nur das Zwischenpodest bleibt.
Ich falle auf den Rücken, irgendwas unter dem Kopf, aber ich liege.
Wer würde mich wann finden, wenn ich jetzt einen Herzschlag bekäme?
Gruselige Gedanken, bei denen ich zwangsläufig nach oben schaue.
Es sind zwei Etagen und oben fällt Sonne durch den Lichtkasten...
"Was jammerst du", denke ich, "wurde dir nicht ein rettender Engel gesandt?!"
Ich schäme mich, werde ruhiger, atme gleichmäßig, lasse los.
Konzentriert und langsam fahre ich später zurück ins Elend, bin sehr früh im Bett.
Die Schultern fühlen sich wie zerschlagen an, der Rücken sowieso.
Also Wärmflasche, Schmerztabletten, Seitenlage. Und Ruhe!!
Ich bin allein im Dachzimmer, niemand greift mich an, es ist still.
Aber es bedeutet auch "all - ein". Ich hoffe, ich schaffe das! Ich muss...