Ein Tag wie so viele. In den letzten elf Jahren.
Die 11. Rauhnacht ist angebrochen, irgendwie harmoniert es...
Ich lese zum Thema, schaue aus dem Fenster in den rieselnden Schnee.
Denke an Norwegen, an Nyksund, das winzige Eiland im Meer aus Eis.
Dazu passt, was ich mir anhören muss: Ich würde sowieso nicht gehen!
Erahnt "er" meine leisen Zweifel? Das stimmt mich noch trauriger, als ich es bin.
Der Tag war so furchtbar wie unendlich viele zuvor. Gefangen im NICHTS.
Warum höre ich mir Beleidigungen und Entwürdigungen an?
Weil "er" mein Haus zerstört und (m)ein Leben dort unmöglich gemacht hat!
Dachte er ich würde aufgeben? Sterben daran? Meine Tochter erben und damit "er"?
Wie eiskalt und berechnend können Partner sein? Aber ich lebe (noch)!!
Gerade ein Mensch, der den ganzen Tag über ohne Smartphone nicht kann,
macht mir Vorwürfe, als ich am Nachmittag mein Notebook zum 1. Mal einschalte.
Ich lese Mails, schaue bei Instagram und lese zur 11.Rauhnacht.
Nichts läge ihm ferner als all' das, dem Mann, dem nur sein Kontostand etwas bedeutet.
Was ist denn Geld? Papier oder Metall. Und was kann man kaufen dafür? Gar nichts!
Dieser Mann wird es nie begreifen. Und ich sage nichts mehr dazu...
"Du wirst nie dahin gehen, in den Ort. Wo du von geredet hast!"
Kann sein. Aber wenigstens habe ich noch Pläne. Und Träume.
Die dieser im Grunde zutiefst bedauernswerte Mensch wohl nie hatte.
Fleisch auf dem Tisch, eine Frau im Bett, Schwarzgeld in der Geldbörse.
Mit nichts davon habe ich irgendetwas zu tun. Und möchte es auch nicht...
Meine Gedanken flüchten zum Polarmeer. Wohin sollten sie sonst fliehen?
Eine Mail geht ein. Ich klicke nicht sofort. Wer sollte mir denn schreiben?!
Erst am Abend schaue ich nach. Es ist Ssemjon von Nyksund.
Als hätte jemand gesagt: "Sie wartet auf Antwort, schreib' ihr doch!"
Ich lese und freue mich. Weil es herzliche Worte sind.
So ganz anders, als das, was ich an jedem neuen Tag erlebe...
Einkauf wird also schwierig werden. Ich hatte gefragt, ob man laufen könne?
Nein. Es sind 10 km bis zum Laden. Und zurück auch.
Also fährt der anwesende Trupp immer gemeinsam, als Fahrgemeinschaft...
Klingt prima. Ich kann gut mit jungen Menschen. Und sie mit mir.
Wir werden ein Team sein. Und ich ein Teil davon. Hoffentlich akzeptiert.
Oft werde ich am Fenster sitzen und auf's Meer schauen.
Die winzige Insel restlos bewandern und entdecken.
Mich mit all' den Tieren vertraut machen, Wale sehen, Gäste betreuen.
Fotografieren, an Holz schnitzen, im Cafe' aushelfen bei Kreuzfahrern.
Es ist mein Traum, nicht seiner. Darum gönnt er ihn mir nicht...
"Wir werden immer ein Zimmer für dich finden", schreibt Ssemjon.
Und auch, dass er Westfale ist und eine Zeitlang in Dortmund gewohnt hat.
Wo ich geboren wurde, aufwuchs und lebte, bis ich nach Norden zog.
Das sind ja Zufälle?! Wir werden sicher einiges zu reden haben.
Über das Alte, das uns verbindet. Und das Neue, das gerade erst anfängt.
Das also wird mein Zuhause sein, in einer Gemeinschaft von Gästen,
im winzigen Nyksund:
Kein Luxus. Aber ein echtes, unverstelltes Leben...