Ich lese gern über die Rauhnächte nach, denn meine Großmutter war spirituell geprägt.

Und ohne, dass meine Eltern etwas davon ahnten, 

sprach sie bei ihren Besuchen mit mir darüber, als wolle sie mich einweihen.

"Dir übergebe ich all' mein Wissen und meine geheimen Verbindungen", 

das hat sie oft gesagt, ohne, dass ich es damals wirklich verstanden habe.

Denn ich war noch ein kleines Kind. Und liebte sie unbändig...


Wir saßen draußen, auf jenem Balkon, auf den meine Mutter mich oft verbannte.

Wenn ich wieder einmal diese unerklärlichen, nächtlichen Erstickungsanfälle hatte.

 Die ich nicht einzuordnen vermochte und vor denen ich mich entsetzlich fürchtete.

"Gott passt auf dich auf!", das sagte meine Oma inbrünstig. 

Und auch, dass er mich nicht sterben lassen würde!

Das gab mir Hoffnung und Kraft. Alsbald redete ich mit ihm, wie mit einem Freund... 


Völlig überzeugt davon, dass er mich anhören würde. 

Was sich später nicht änderte, in Momenten großer Freude, oder tiefsten Schmerzes. 

So war ich immer geborgen und geschützt, so seltsam das auch klingen mag.

Irgendwie haben wir vielleicht unsere ganz eigenen "Rettungsmaßnahmen".

Welche ist deine? Vertraust du auf dich selbst? Auf irgendwelche Götter?

Wir alle kennen die Wahrheit nicht. Denn sie kostet uns vielleicht das Leben...


Ich wünschte, dass ich Fragen stellen könnte. Und eine klare Antwort bekäme.

Das möchten wir alle gern. Einen Leitfaden erhalten. Tue dies, lass' das!

Aber so ist es nun einmal nicht. Alle Entscheidungen liegen bei uns selbst.

Damit haben WIR allein die Verantwortung und vermögen sie nicht abzuschieben...




 



Gehe nicht hinter mir, mein Freund.

Vielleicht führe ich nicht.

Gehe nicht vor mir, 

vielleicht folge ich nicht.

Gehe einfach neben mir.

Und sei' mein Freund...


- Albert Camus -