Wie habe ich diesem Montag entgegen gefiebert, denn heute sollte es klappen!

Mit dem Austausch der Wasserarmatur. Daheim. Zuhause. In MEINEM Haus.

Das bestellte Teil ist tatsächlich im Baumarkt angekommen und ich trage es zur Kasse,

als sei es aus purem Gold und mit wertvollen Edelsteinen besetzt.

Dass es nicht passt und daher am Zustand meines verlassenen Heims nichts ändert,

das wird dann leider rasch deutlich, die Hoffnung stirbt, bevor ich an sie glauben konnte...


Wenigstens baue ich meinen Esstisch zusammen, den mit den holländischen Beinen

und der ehemaligen Stalltür als Tischplatte, mit der ich so unendlich viel Arbeit hatte- 

Die sechs liebevoll von mir restaurierten Gründerzeitstühle stelle ich dazu,

lege die schöne blaue Leinentischdecke auf und möchte fast auch ein paar Kerzen dekorieren.

Aber das wäre denn wohl extrem verfrüht, mitten im Chaos ringsum. 

Und doch ist es ein Schritt für mich, zu einer früher selbstverständlichen Normalität.


Eine tiefe Traurigkeit breitet sich in mir im uralten Haus jedes Mal aber auch aus.

Keine Kinderfüße sind mehr auf den ausgetretenen Stufen zu hören,

niemand lacht, ruft, fragt ob ich eine Kanne Tee und Kluntjes nach oben bringen kann.

Es wird nie mehr so sein, das ist mir natürlich klar. Allein werde ich hier leben!

Verborgen in der Stille von Mauern, die so unendlich viele Stimmen schon vernommen haben.

Wird meine noch einmal erklingen? Und wird sie weinen, oder singen wie früher?


Darauf finde ich (noch) keine Antwort, weil die Sonne scheint und die Kälte der Nacht fern ist.

Wie wird es in der Dunkelheit sein, die die Schatten der Vergangenheit erwachen lässt?

Werde ich mich fürchten in dieser Einsamkeit? Die Türen verriegeln? Tanzen im Kerzenlicht?

Rufen nach meiner Familie, die es längst nicht mehr gibt?

In der Schwärze der Räume durch die hohen Sprossenfenster nach Mond und Sternen suchen?

Mich fragen, warum es ist wie es ist? Und nicht, wie es einmal war mit Leben und Menschen?


Erst wenn mein letztes Teil zurück im Haus seinen (alten oder neuen) Platz gefunden hat,

dann werde ich es wissen, aber dann wird es zu spät sein etwas zu ändern daran.

Niemals mehr wollte ich dort sein, wo so viel geschehen ist!! An Unheil. Und Frohsinn.

Was wird nun überwiegen, da ich wie ein Geist dort leben und durch die Räume gehen werde?

Die Antwort werde ich kennen, wenn ich die letzte Transportfahrt abgeschlossen habe.

Ein solches Ende meiner langen Lebensreise habe ich mir nie gewünscht!!

Und doch hat das Schicksal es genau so eingerichtet, wie es jetzt kommen wird.


Ist unser Leben vorherbestimmt? Oder können wir an jeder Wegbiegung neu entscheiden?

Ich bin mir nicht mehr sicher. Über gar nichts. Aber ich bin lernfähig. Das hoffe ich jedenfalls.

Und werde eines Tages begreifen warum es war, wie es war. Und warum es ist, wie es ist. 

Sonst würde ich mit der Titanic elendig in den Tiefen des Meeres versinken...



Und das würde nun wirklich niemand wollen, oder etwa doch?









- 24.06.2025 -