Es war eine kostbare Zeit. Obwohl ich mich auch ein wenig davor gefürchtet hatte...
Ich hüte ein Haus das nicht meines ist.
In einem Ort, an dem ich nie hätte sein wollen.
Nachts ist es unheimlich in diesem Dorf,
in dem die Straßenlaternen so früh ausgeschaltet werden.
Weil um diese Zeit ohehin niemand mehr draußen unterwegs ist.
Außer in der sicheren Geborgenheit des gewohnten Autoblechs...
Mir ist hier im Prinzip auch alles vertraut.
Kein Wunder, nach fast 10 Jahren seit dem ersten Besuch.
Trotzdem wurde es nie meine Welt, sie blieb mir seltsam fremd.
Vielleicht weil ich ich es so wollte. Oder die Nachbarn es so sahen.
Kann sein, dass beide Seiten es unabgesprochen so entschieden haben.
Ein Brandenburger und eine Westfälin bleiben in Ostfriesland ohnehin Fremde.
Aber sind wir das nicht alle, fast überall in der Welt?
Trotzdem befand ich mich hier auf lange vertrautem Boden.
Und habe es seltsamerweise gänzlich vermieden nach Emden zu fahren.
Obwohl ich mir für die dortige Baustelle viel vorgenommen hatte...
Aber es ist kalt dort, so ungeheuer still. Und fremd, das vor allem!
Wie soll das erst werden, wenn ich wieder da lebe?
Oft versuche ich es mir vorzustellen. Aber eine Antwort finde ich nicht.
Ich bin nicht mehr die Frau die ich war, beim Kauf vor 35 Jahren.
Vor allem waren wir damals eine Familie. Aber jetzt??
Der Besuch des Hausbesitzers in Brandenburg endet am Mittwoch.
Und war notwendig, da die dort lebende Mutter an Alzheimer erkrankt ist.
Zudem an Knochenkrebs und anderen lange übersehenen Erkrankungen.
Trotzdem waren ihr Jahrzehnte mehr vergönnt, als meiner Mutter.
In diesen Tagen habe ich oft an sie gedacht.
Ich bin nun älter, als sie es wurde, das ist ein seltsames Gefühl irgendwie...
Ab Donnerstag wird es also renovierungstechnisch weitergehen. Müssen.
Niemand da, der es mir abnehmen würde.
Die dortige Nachbarin ruft gestern durch und wir quasseln lange.
Irgendwann fragt sie nach, wie alt ich eigentlich bin. Ist erstaunt.
Und fragt sich vielleicht warum ich das alles noch mache.
Weil mir kein anderer Weg bleibt vielleicht?!
Wohin sollte ich sonst gehen? Zumal der Winter in großen Schritten naht.
Ich bin hier nicht mehr gelitten, das lässt man mich oft deutlich spüren.
Wo die Tochter die neue Favoritin ist, da wird die Mutter lästig.
Verstehe ich. Trotzdem ist und bleibt es seltsam nach 10 Jahren Beziehung.