Der viel zu große und alte Heizkörper wird von der Wand im Schlafzimmer genommen.
Der neue und viel kleinere (gebraucht ergattert) findet seinen ganz eigenen Platz.
Wieder ist es ein Schritt voran. Ein kleiner? Oder mittelgroßer?
Oft finde ich keine Antworten auf solcherlei Fragen. Es ist auch nicht wichtig.
Der Heizungsinstallateur arbeitet leise. Und fast wortlos.
Ich entspanne mich. Weil ich solchen Menschen vertraue. Und sie mag...
Er bekommt seinen verdienten Lohn und ich frage nach seiner Geschichte.
Die Eltern kamen mit ihm einst aus Russland, von der Wolga.
"Wir waren keine Russen", sagt er, "wir waren schon immer Deutsche!"
Vermutlich werde ich ihn noch öfter brauchen, das Haus ist groß.
Viele Aufgaben warten auf mich und nicht alles kann ich allein bewältigen...
Die Stimmung im Moorland ist mehr als angespannt, jeder Tag eine Qual.
Mehr für "ihn"? Oder nicht viel stärker für mich? Es gibt keine Antwort darauf.
Die Nacht war wieder fast schlaflos, nach zwei Stunden bin ich hellwach.
Alles beschäftigt mich, was wie Zentnersäcke auf meinen Schultern liegt.
Meine rechte Hand ist verletzt von der Baumfällung im Hof.
Mein Herz von all' dem Leid dieses Jahres, das noch lange nicht beendet ist.
Ich bin all' die Bevormundungen leid, mit denen man mich offenbar strafen will.
"Klein halten", unterdrücken, einschüchtern. Oder "festtackern".
Aber das ist nicht meine Welt. Mein Zukunftswunsch. Der Rest meines Lebens.
Könnten wir nicht bei diesem Sonnenschein etwas unternehmen wie Kameraden?
Es funktioniert. Wir bummeln durch's neu eröffnete Gartencenter in Emden.
Ohne etwas zu kaufen. Aber schöne Pflanzen und Deko zu sehen tut auch gut.
Am Ende fahren wir auf meinen Wunsch hin zur sogenannten "Knock".
Der Meeresarm trennt Ostfriesland von den Niederlanden.
Auf der gegenüberliegenden Seite stehen die Gastürme, die uns beliefern.
Im Sand sitzen Familien, Paare, Freundinnen, Angler und Sonnenanbeter.
Zu dieser Gruppe gehöre ich heute. Schaue über die Wellen auf die Möwen.
Bette den Kopf im Sand. Fotografiere meine Eindrücke.
Schaue ab und zu auf den einsamen Mann mindestens fünfzig Meter entfernt.
Er wollte mich nicht begleiten. Starrt vor sich hin, oder in die Wellen.
Heute hat er erfahren, dass seine neunzigjährige Mutter an Krebs erkrankt ist.
Die Wahrheit wurde immer verleugnet, nun liegt sie auf dem Tisch.
Mit 66 Jahren noch seine Eltern zu haben ist ein Privileg. Finde ich.
Ich war halb so alt, als ich mit dem Leben ohne Rückhalt zurechtkommen musste...
Ich habe eine Viertelstunde lang Sonne getankt. Vielleicht waren es zwanzig Minuten.
Dann bin ich zu ihm gegangen, weil ich sein Leid spürte.
Gedankt hat er es mir nicht. Wir fuhren wortlos zurück.
Es ist gut wenn ich gehe. Für mich. Er hat es so gewollt.
Drei Scheidungen und etliche Trennungen liegen hinter ihm, das hat er nun gestanden.
Drei "Kinder" gibt es außerdem. Mir lange verschwiegen. Wie so vieles sonst noch.
Meine hat er mir genommen.
Weshalb?
Ob er jemals glücklich sein wird?
Ich bezweifle es...
Aber darum geht es auch nicht, es geht mir jetzt um mich.
Weil es so sein muss, nach all' dem was geschehen ist....