Irgendwann begreife ich, dass ich ein sogenanntes "Flüchtlingskind" bin.
Ohne zu verstehen, was eigentlich damit gemeint ist.
Der Pfarrer, der mich tauft, nimmt mich auf den Arm.
"So ein liebes Kind und einen so schönen Namen hast du bekommen", sagt er.
Ich soll mich an ihm festgehalten haben, als könne er mir Schutz geben...
Hilft mir der Name eines Erzengels?
Meine Mutter ist kriegstraumatisiert. Das wird die Entschuldigung für alles sein, was sie mir antut.
Noch heute wundere ich mich, dass ich trotzdem ein halbwegs normales Leben geführt habe.
Mit vielen Ecken und Kanten. Verlusten und Trauer. Aber ich habe auch geliebt und gelacht.
Die Welt bereist. Bin Menschen aus fernen Ländern ohne Scheu begegnet.
Habe mich auf diverse lange Pilgerwege kreuz und quer durch Spanien getraut.
Und heute? Wieder wird die Welt von Kriegen überzogen, kämpfen Männer um Macht.
Wird das denn nie enden?????
Um was geht es eigentlich wirklich? Um Gerechtigkeit? Um wessen?
Nach 60 Jahren wiederholt sich immer noch alles, wie ist das denn nur möglich??!
Ich sitze in meiner Erinnerung im Sand der Nordseeinsel Juist,
es ist die Schul-Abschlussfahrt, ich zupfe an der Gitarre und singe.
Und bis heute hat sich nach all' den Jahrzehnten rein gar nichts verändert ?????