Heute war es das erste Mal. Und ich hoffe, dass es sich niemals wiederholt!
Vielleicht war es eine Art von Warnung.
Oder eine Erkenntnis? Jene, die ich mir nie zugestehen würde!
Ich bin doch eine Löwin, eine Kämpferin, schon vor meiner Geburt war ich es...
Ich wollte offenbar leben. Und sollte es auch!
Denn ohne mich gäbe es drei besondere Menschen nicht.
Zwei starke Kinder habe ich. Und einen bezaubernden Enkel...
Auch wenn man sie mir genommen hat, so liebe ich sie doch sehr!
Und immer wollte ich für sie leben, kein schlechtes Vorbild sein.
Wie meine Mutter und meine Schwester,
die das Größte auslöschten, was ein Mensch haben kann: Das Leben!
Überschreite ich nun Grenzen? Weil ich jetzt älter bin als sie?
Darüber habe ich mir bisher nie wirklich Gedanken gemacht.
Denn ich bin ja ich, der Gegenentwurf zu ihnen, so sah ich's!
Geboren mit dem festen Glauben beschützt zu sein.
Aufzublicken zu den Sternen, wie meine Großmutter es mich gelehrt hatte!
Wie wunderschön leuchteten sie auf meinen Jakobswegen,
wenn man in Herbergen nicht schon um 22 Uhr im Bett liegen musste.
Keine Lichtverschmutzung, kein Lärm, in diesen so stillen Dörfern.
Pilger die miteinander sangen, die Besonderheit des Moments erkannten.
Eine Gemeinschaft von Menschen mit Schicksalen, auf einem besonderen Weg.
Immer wieder denke ich daran, obwohl viele Jahre seitdem vergangen sind.
Besonders in Erinnerung blieb mir die Französin vom letzten Camino 2013.
Das nächste Tagesziel war Santiago. Für mich.
Wir unterhielten uns in drei Sprachen und lachten viel miteinander.
"Morgen wirst du schon da sein, ich brauche noch zwei Tage," so sagte sie.
Und zeigte mir viele Fotos ihrer Familie. "Menschen sind wichtiger als Besitz!"
Dein Gesicht habe ich nie vergessen. Deine Bilder. Deine Stimme. Die Liebe...
Heute stehe ich in einem Gartenmarkt, in dem es schier alles gibt.
Ich hinke hindurch, suche nach irgendetwas, das ich nicht finde.
Nach Licht? Nach Halt? Nach Freude? Nach Menschen?
Auch diesen Augenblick werde ich sicher nie vergessen!
Weil er mich von jetzt auf gleich überkam, ohne jede Vorwarnung...
Ich sah irgendwie nach oben und dachte, dass ich sterben möchte.
Jetzt, sofort und gleich. In diesem Augenblick!
Ich wollte nicht in die nächste Halle gehen, nicht wieder ins Auto steigen.
Jenes fremde, das nicht meines ist... Damit fuhren wir in die City.
Überall Touristen, eine lachende Sonne am blauen Ostfriesenhimmel.
Ich dachte: "Es ist alles so schön hier und du möchtest tot sein?!"
Wir fanden eine Parklücke, stiegen aus und trennten uns.
Er ging zum Einkauf in die Fußgängerzone, ich bog um zwei Ecken.
Und sah mein Haus. So groß, so schön, so tief verbunden mit meinem Herzen!
Ich ging immer schneller, berührte die uralten Mauern, die Fensterrahmen.
Um in diesem Moment wieder zu wissen, dass es ein Teil von mir ist!
Oder ich ein Stück von ihm? Ich leerte den Briefkasten. Nichts persönliches.
Papiere. Längst abgebuchte Rechnungen. Vergangenheit...
Die Haustür habe nicht aufgeschlossen! Bin gegangen mit einem Lächeln.
Habe mich wartend an den nahen Delft gesetzt. Wie vertraut war alles...
Mein Herz schlug wild und fragte mich: "Was wirst du tun? Lebe!!"
Natürlich möchte ich das. Ich bin keine Selbstmordkanditatin!
Zurück im Dorf wurde ein Anhänger mit Kaminholz abgeladen.
Man hat zu tun. Sieht die schiere Menge. Der Auftrag ist klar!
Aber die Frage war auch da: "Noch so ein Winter wie die letzten?" Nein.
Was dann? Das Emder Haus wäre/ist der hohe Preis für meine Freiheit.
Und ganz leise denke ich an einen Weg, den ich nicht versprechen möchte.
In meinem Alter? Noch einmal? Du spinnst ja! Aber könnte ich es schaffen?
Nicht ich werde es entscheiden. Aber ich werde akzeptieren, was sein wird...
Weil unser Leben vorherbestimmt ist, daran habe ich schon immer geglaubt!