Gestern war es im Moorland so unendlich heiß, dass man kaum atmen konnte.
Ich habe mir Aufgaben gestellt, von denen ich annahm sie trotzdem erfüllen zu können.
Aber es fiel mir schwer und immer öfter frage ich mich, ob ich nun anfange alt zu werden.
"Du fängst nicht an, du bist es bereits," das würde jetzt vielleicht mancher sagen.
Darüber habe ich mir bisher nie Gedanken gemacht, erstaunlicherweise.
Hätte ich sollen? Müssen?
Doch es gab keinen Grund dafür, nicht einmal einen Anlass, doch jetzt?
Was ist das, dieses "Alter"? Woran erkennt man es?
Ich trage gerade ein Kapuzenshirt mit Aufdruck und meine türkisfarbene Lieblings-Shorts.
Der Haarschnitt kommt vom Barber, der immer sagt ich sähe so jung aus.
Ich höre gern aktuelle Songs und gäb's eine coole Disco in der Nähe würd' ich hingehen.
An jedem Tag laufe ich ca. 20.000 Schritte, manchmal auch mehr, um fit zu bleiben.
Gern lese ich, informiere mich über aktuelle Themen und verfolge das Politgeschehen.
60 plus, das war für mich nie eine Marke, ein Stempel, eine Bewertung.
Aber wenn man gegen einen Menschen eingetauscht wird, der zwanzig Jahre jünger ist?
Und dazu das eigene Kind?
Dann kommt man schon sehr ins Nachdenken. Und Zweifeln, ob man noch lebensberechtigt ist...
Dabei müsste es vielleicht genau andersherum sein, die Betroffenen sollten sich Fragen stellen.
Oder liege ich da so falsch? Bin ich eine verbitterte Alte, die nicht loslassen kann?
So hätte ich mich nie gesehen, aber jetzt stelle ich mir diese Frage.
Die immer wieder letztlich endet in: Hey, du bist völlig normal, die andere Seite spinnt!
Aber das vermag ich nicht so zu sehen, auch wenn ich es möchte.
Ein Sechsundsechzigjähriger verspricht sich heiße Abenteuer und ein neues Leben.
Das ist so alt wie die Welt. Nur ist es leider mein langjähriger Lebensgefährte.
Eine Einundfünfzigjährige sieht kostenlose Fenster, Türen und Möbel auf dem alten Hof.
Auch so alt wie die Welt. Wenn der unbedingt schenken will? Warum nicht annehmen?!
Mein Verstand funktioniert also noch. Obwohl die gehenwärtige Situation meinen Horizont überschreitet.
Muss man alles dulden, Geldgier einerseits und Sexgier andererseits "verstehen"?
Männer würden vielleicht jetzt sagen: "Tja, Pech gehabt!" Und Frauen: "So ein Schwein!"
Dazwischen bin ich zerrieben. Meinem Kind wünsche ich einen guten Partner (der "er" nicht ist).
Meinem Ex nach mehr als 10 gemeinsamen Jahren die Pest an den Hals.
Zorn ist blöd. Ich will ihn nicht. Aber irgendwie hilft er. Und ist definitiv besser als Tränen!
Wie die ganze Situation. Und mein Rücken ist eben doch belastet, seit frühester Jugend schon gequält.
Nachts weiß ich nicht wie ich liegen soll und die Wärmflasche "backside" ist meine ständige Begleitung.
Zu jammern hift aber nicht und ändert auch keinen Deut. "Da mutt wie dör", sagt man in Ostfriesland.
Da muss man dann hindurch... Flucht unmöglich, nur Stärke hilft, körperlich und seelisch!
Ich versuche mich daran. Nicht immer, aber immer öfter funktioniert es.
Hat was von Münchhausen, der sich selbst am eigenen Zopf aus dem Schlamm zog.
Geht nicht? Doch! "Geiht nicht givt nich" , so sagt der Ostfriese. Das macht Mut.
Wenn das hier ausgestanden ist und ich alles daheim im Emder Haus habe, dann liegt Urlaub an.
Den brauche ich dringend. Irgendwo, wo die Sonne scheint und schönes zu entdecken ist.
Wer wollte es mir verdenken! Wenigstens in meinem Kopf bin ich schon längst unterwegs...