Meine Kindheit war keine Zeit, die man heute seinem Nachwuchs wünschen würde.
Aber ich hatte eben nur diese und konnte sie nicht vergleichen.
Also habe ich das Beste daraus gemacht und mir viel Freiheit genommen.
Das war damals so. Man saß nicht vor dem Fernseher, man war draußen.
Wer wäre als Kind schon gern in den engen Werkswohnungen geblieben?
Meine Eltern flohen mit meiner großen Schwester
und Fluchthelfern über den Ratzeburger See vom Osten Berlins in die Freiheit.
Oder das, was sie damals wohl dafür hielten. Viele versuchten es.
So wurde ich also viel später in dieser freien Welt geboren.
Und durfte dies auch nutzen, denn niemand passte auf mich auf,
im Schatten der Stahlwerkgebäude vom alles überragenden Hoesch-Werk.
Ich war ein Kind, das immer frei sein wollte, als wolle auch ich der DDR entkommen.
Irgendwie ist es wohl auch heute noch nicht anders.
Wer mich einsperrt und einengt, der wird mich verlieren!
So habe ich oft gesagt. Und es auch so gemeint. Bis zum heutigen Tag.
"Wenn es dunkel wird, dann kommst du nach Hause", so war's ausgemacht.
Aber ein Kind, das den Tieren im Wald lauscht,
und sich nur schwer von diesen Gefährten zu trennen vermag,
das achtet nicht auf die Zeit und möchte auch nicht in Zimmern gefangen sein.
Oft gab es Prügel, weil ich zu spät die beginnende Neige des Tages erkannte.
Aber trotzdem war sie es mir wert. Die Freiheit, die Selbstbestimmung!
Heute kann ich (weitgehend) tun was ich will. Und doch...
Die Erinnerungen an die Kinderzeit sind lebendig geblieben.
Meine schimpfende Mutter und der mir zuzwinkernde, schmunzelnde Vater.
Der all' die Boshaftigkeiten und Schläge meiner Mutter meistens ausglich.
Bis meine Eltern sich trennten und ich ins Waisenhaus und zu Pastoren kam.
Damit fand meine Kindheit ein brutales Ende. Meinen Wald sah ich nie wieder...
Und doch... Ich käme heute gern noch einmal heim.
Mein Vater müsste mir so zuzwinkern wie damals.
Und ich wäre in diesem Moment zu Hause, nicht so allein und verlassen wie heute.
- 18.Oktober 2025 -