Ich sitze im fast dunklen Zimmer, das Notebook auf dem Schoß.
Und schreibe weiter am Buch. Jenes, in dem "Kilians Reisebüro" Urlaube anbietet.
Ganz und gar ausgefallene, wie ich in meiner Trainingszeit begreifen durfte.
Denn sie sind Wesen aus einer anderen Welt, mit ganz besonderen Fähigkeiten.
Wer einmal ihr unbedarftes Opfer geworden war, der konnte ihnen nicht entkommen.
Das Schicksal (oder waren es die Kilians?) sandte mir Lars, der mir ein Freund wurde.
Nach wochenlangem Sporttraining (ich hasse Sport, sagte ich das schon?)
ist es soweit, ein großer Galaabend steht an, mit Auslosung.
Natürlich können nicht alle der zahlreichen Mitarbeiter eine Abenteuerreise erleben!
Es gilt ein Los zu ziehen, was Lars mir lächelnd überlässt.
Ich wühle lange in dem Korb voller Papierröllchen mit roten Bändern.
Und wähle dann eines aus, dass ich fest umklammere.
Drei Reisen werden an diesem Abend verlost und wir sind alle aufgeregt!
Das erste Röllchen erweist sich als: "Notlandung auf dem Hudson River!"
Überlebenschance: 100%. Die Gewinnerin Julia atmet tief auf, so scheint es mir!
(Katastrophe Nr. 2 steht bei mir noch nicht fest... Überlebenschance ca 70%...?)
Mit viel Applaus klettere ich als Letzte auf die Bühne, mit zitternden Beinen.
Ben feiert mich und immer noch beklatschen alle den Hauptgewinn.
Wahrscheinlich sind sie froh, dass der Kelch an ihnen vorübergegangen ist!
Lars folgt mir total entspannt nach, Skandinavier eben.
Es wird noch viel geredet, da es sich ja schließlich um den Hauptpreis handelt!
Als Ben unser Los öffnet, da erklingt schon eine Melodie, die mich erschaudern lässt.
An vieles hatte ich gedacht, aber niemals an so etwas, Lars fängt mich gerade noch auf!
Viele Wochen später sind meine Haare gewachsen, habe ich ewig Geschichte gepaukt.
Die Schneiderinnen haben mich immer wieder vermessen,
Unterbekleidung, Kleider, Kostüme, Hüte, Mäntel und Koffer für mich angefertigt.
Gehschule war angesagt. Und natürlich schwimmen und tauchen, schier endlos.
.........
Wir schauen ständig auf die Taschenuhren. Lars hält mich fest im Arm.
Das Chaos um uns her ist unbeschreiblich. Der Albtraum ist nun Realität.
Knarrend und schaukelnd werden die Rettungsboote herabgelassen.
Offizier Lightoller brüllt ständig: "Frauen und Kinder hierher"!
Er greift auch nach meinem Arm...
Ich stehe dermaßen unter Schock, dass ich eigentlich mitgehen möchte.
Aber dann wäre ich auf ewig in dieser Zeitschleife gefangen und das darf nicht sein!
Wir starren auf den Eisberg, der seltsam schön und faszinierend aussieht.
Obwohl es mich bei jenem Anblick gruselt. Dass ich keine Heldin bin steht nun fest!
Aber auch, dass ich dem Schicksal jetzt nicht mehr zu entrinnen vermag...
Lars nickt mir zu, als ein winziges Licht mitten im Eis unsere Rettung ankündigt.
Unser monatelanges Training wird nun zeigen, ob es wirklich ausgereicht hat.
Die Uhr sagt unnachgiebig: Noch zwei Minuten, wir umarmen uns.
Vielleicht zum letzten Mal. "Ich liebe dich", sagt er. Ich nicke stumm, wie erstarrt.
Lightoller brüllt wieder: "Nur Frauen und Kinder!" Überall Schreie, Verzweiflung.
Ich springe und schwimme um mein Leben, immer auf das ferne U-Boot zu.
Lars ist hinter mir und brüllt unablässig: "Schwimme Ida, kämpfe, los!"
Irgendwann ist das schwarze Boot greifbar nahe und es springt jemand von Bord!
Ich werde beruhigt, irgendwo hinauf gezogen. Und falle in einen dunklen Schacht.
Ich lebe! Und rufe: "Lars! Lars!" Bis ich ohnmächtig werde...
- Ist hier eine extrem verkürzte Fassung, eigentlich nur Stichpunkte. Das Original ist natürlich wesentlich länger. -
Man könnte nun sagen: was für ein Blödsinn! Aber mir hilft es zu schreiben.
Das war schon in meiner Kindheit so, sonst hätte ich sie wohl nicht überlebt!
