Ein "uralter" Eintrag von mir bei blogspot damals, geschrieben am         19.Juli 2016 und heute neu gelesen...

Wie anders war damals alles und wie ähnlich doch wiederum:




Von den Häusern....


  Endlich, endlich erlebt auch der Nordwesten so etwas wie einen Sommertag und ich stürze    förmlich hinaus auf die Terrasse (oder sollte ich besser sagen: den Balkon?), es gilt die Folgen  dieses schier unendlich langen Winters zu beseitigen, umzutopfen, aufzuräumen, ein wenig zu  gestalten. Das uralte Haus scheint mir mit halb geschlossenen Liedern dösend durch die Fenster  zuzuschauen. Sicher freut es sich darüber, dass etwas Neues entsteht.

Lange gab es hinten nur einen Hof. Und in den Jahrhunderten davor einen schmalen Wasserweg, der die Bauern und Händler aus dem Umland auf ihren flachen Booten in die nahe gelegene In-nenstadt mit dem majestätischen Rathaus brachte. Die Bürger mögen dort schon auf Nachschub gewartet haben und zu Fuß oder per Pferdewagen wurden die Waren ins ostfriesische weite Land verteilt. In meiner Straße (meinem Viertel) lebten damals niederländische Kaufleute, denen es si-cher nicht schlecht erging in der neuen Heimat, die sie wegen der Verfolgung in der alten hatten suchen müssen. So manche Ladung Torf mag direkt durch die Fenster der Kellerkökens schon ei-nen Besitzer gefunden haben, viele Kleikartoffeln, etliches Gemüse, vielleicht auch Tuchwaren. Schließlich residierten unten im Souterrain die Frauen und sahen, wer oder was da direkt an ih-rem Fenster vorbei gestakt wurde. Das in den Kanälen übliche "Treideln" ( also ziehen der Boote an Seilen, oft genug auch von Frauen) war zwischen den Häuserzeilen unmöglich.

Meine Gedanken haben viel Zeit um zu wandern. In die Vergangenheit, als ich hier mit meinen Kindern lebte. Die Gegenwart, da der Held Einzug gehalten und die neue Terrasse gebaut hat, weil die alte modernd zusammengebrochen war. Und in die Zukunft. Was wird sie uns bringen? Wird es in absehbarer Zeit ein neues Zuhause geben? Wann? Wo? Was alles wird sich ändern (müssen)? Ob das Haus etwas davon spürt?

Quatsch, das sind doch nur Mauern, Steine, Balken, Sand. Tote Materie. Oder ist da doch mehr? So etwas wie eine Seele, die fast fünf Jahrhunderte überdauerte? Oder sind all' die Gedanken, Schritte, Sorgen und Zeiten des Glücks der zahllosen Bewohner von einst einfach dahin wie ein Lufthauch? Wird auch von mir und meiner Familie gar nichts bleiben? Das ist ein befremdlicher Gedanke. Seit fast drei Jahrzehnten gehört das Haus nun mir. Besser gesagt: Hat die Zeit es mir (aus)geliehen. Auf der Welt gehört uns gar nichts. Aller Besitz ist uns nur für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung gestellt, festzuhalten oder mitzunehmen ist uns am Ende unmöglich. Wir geben frei. Alles. Auch uns? Das wäre ein schöner, tröstlicher Gedanke.

Freiheit für mich und das Haus, das wünsche ich mir. Wobei seine (hoffentlich) länger andauern wird als meine. Neue Familien werden einziehen. Andere Kinderfüße auf den alten Holzstufen nach oben rennen durch alle Etagen. Weihnachtsbäume werden leuchten. Menschen sich lieben. Vielleicht auch hassen. Wie wird es hier in den nächsten 465 Jahren werden? Existiert das Haus dann noch? Ach, was denke ich da... Dreht sich überhaupt die Erde so lange weiter? Die Men-schen sind auf dem besten Weg alles von Grund auf zu zerstören und unbewohnbar zu machen. Werden sie lernen? Überhaupt begreifen was sie tun? Ich wünsche es mir sehr, angesichts der ak-tuellen Ereignisse in mehreren Teilen der Welt hege ich aber starke Zweifel daran...

Es ist mir nur möglich mich auf mich selbst und mein direktes Umfeld zu konzentrieren. Was wird werden? Wie oft habe ich mich das schon gefragt. Wenn wieder ein neuer Winter kam. Mit der schon so oft erlebten Kälte, den langen und dunklen Tagen. Bald bricht ein neuer an. Müssen wir auch den noch hier durchstehen? Oder gibt es Hoffnung? Wenn ich zu träumen wagen würde... Mal so ganz frei und mutig... Ja, was wäre dann? Wohin ginge ich? Was ließe ich alles los? 



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Es war eigentümlich für mich, heute etwas zu entdecken, 

das man selbst vor fast einem Jahrzehnt geschrieben hat.

Und das seltsamerweise doch kaum an Aktualität verloren hat...