Die Rückkehr des Hausherren verläuft fahrttechnisch problemlos,
obwohl von der polnischen Grenze (Eberswalde) zur niederländischen (Moormerland).
Die angekündigte Hitzeperiode ist noch nicht ausgebrochen.
Was wiederum ich sortieren und verpacken konnte, das habe ich erreicht.
An der Flurwand gestapelt und fertig zum Transport ins Emder Haus
warten ordentlich gepackte Kunststoffboxen auf ihren Standortwechsel.
In der Küche stapeln sich Kartons mit Altpapier (vieles wurde zerrissen).
Aufgeräumt habe ich sowieso, aber man sieht: Da steht ein Umzug bevor!
Das Wiedersehen verläuft ruhig und meinerseits reserviert.
Was weiß ich, woher dieser Mensch gerade kommt, was er dort getan hat?
Darüber habe ich mir zehn Jahre lang nie Gedanken gemacht.
Ich gehöre nicht zu der Sorte Mensch, die von Eifersucht zerfressen wird.
Wenn ein Partner untreu sein will, dann wird er es ausleben.
Wenn er zuverlässig und ehrlich ist, vertraut man ohnehin.
Mit dieser meiner Einstellung sind wir gut durch die Jahre gekommen.
Was sich nun allerdings verständlicherweise drastisch geändert hat!
Dass ich mich im Auszug befinde ist augenscheinlich und nicht zu ignorieren.
Trotzdem schmerzt das Unvermeidliche, nach diesen auch guten Jahren.
Auch der Partner, der betrügt, muss mit den Folgen leben.
Und fragt sich vielleicht, ob ein Strohfeuer das wert war/ist.
Wir bemühen uns krampfhaft um irgendeine Form der Konversation.
Mein endgültiger Auszug wird noch Zeit brauchen, die gilt es ruhig zu verbringen, so gut es geht.
Streit und Schreierei ist meine Sache nicht, dafür reicht eine Seite völlig aus.
Wir verbringen also einen mehr oder minder ruhigen Tag mit einer Entscheidung.
Früher waren wir gern im "Park der Gärten" in Bad Zwischenahn.
Man kann ihn als Teil der Kuranlage sehen, oder als Ideengeber für Gärten.
Auf alle Fälle ist es eine weitläufige Fläche mit unzähligen Themengärten und Anregungen.
Das Wetter passte am Samstag perfekt: Sonnig, aber nicht zu heiß,
gut besucht, aber nicht überlaufen, vertrautes ist zu sehen, neues auch.
Fotos enstehen, Pflanzennamen werden abgespeichert, Kuchen und Kaffee gibt's.
Der Besuch endet im schönen angegliederten Laden und Pflanzenmarkt.
Ich stöbere durch Bücher, Kunstgewerbe und das Gartenangebot.
Am Ende sind es sechs interessante Pflanzen die mit uns gen Moorland reisen.
Seine werden im Garten in einem neu angelegten Beet ihren Platz finden.
Meine beiden ihr Leben in Emden leider im Kübel verbringen müssen.
Aber dafür werden sie gut umsorgt, gehegt, gepflegt und geschätzt werden.
Während ihren hier verbleibenden Geschwistern ein hartes Dasein bevor steht.
Doch ich kann nichts mehr groß für sie tun, muss mich stattdessen um mich selbst kümmern!
Der Abend verläuft mit entsprechenden Gesprächen. Ruhig. Warum nicht früher so???!
Am gestrigen Samstag geht's gen Seehafenstadt mit etwas beklommenen Gefühlen.
Wie werde ich Haus und Bürgersteig in der Innenstadt antreffen, was liegt im Briefkasten?
Das Betreten des großen, nun eng bestapelten Hausflurs ist -wie jetzt immer- schockierend.
Aber der Plan steht und an ihn halte ich mich strikt: Küche sortieren, aufräumen.
Womit jener Raum gemeint ist, der einmal eine solche werden soll.
Und vorerst Lebens-/Allraum. Weil er Türen und Fenster hat, freundlich und hell ist.
Ein Notzustand, dringender Kompromiss wird es sein. Aber lebbar (so hoffe ich).
Ich räume also an die Wände was geht und streiche den zukünftigen Küchentisch.
Die Platte ist aus einer von mir aufgearbeiteten uralten Stalltür entstanden,
das Gestell stammt von einem historischen holländischen Esstisch.
Montiert wird erst am Ende, aber man sieht schon wie es wohl werden wird.
Draußen wird eine Fensterlaibung neu eingeputzt und gewinnt dadurch ungemein.
Erfreut und zufrieden fahren wir zurück. Am Sonntag soll es weitergehen.
Freundlich gestimmt sitzen wir im Garten und ich gieße noch einmal die vielen Pflanzen.
Wer wird für sie sorgen, sie hegen und pflegen wenn ich fort bin?
Tatsächlich fahren wir wenige Stunden danach noch einmal gen Emden,
jeder vollendet sein begonnenes Werk, die Hitze machte es möglich.
Der "Burgfrieden" auch. Nur er. Und Illusionen mache ich mir keine.
Harte Zeiten stehen mir bevor. Ein kalter Winter. Alleinsein. Traurigkeit.
Wie wird alles werden? Bin ich noch so stark wie ich es zu sein glaube?
Die nahe Zukunft wird es zeigen.
Meiner Tochter wollte ich das Leben erleichtern.
Und habe damit nichtsahnend meines zerstört.
Ach Blödsinn, ich habe gar nichts, das ist ja ein Rückfall in uralte Zeiten!
Zwei Menschen wollten etwas nur für sich, wenn auch aus verschiedenen Motiven.
Und haben mich beide eiskalt geopfert auf dem Altar ihrer Eigensucht.
So sieht es aus und nicht anders, aus einem Saulus wird nicht immer ein Paulus!
Dass es allerdings wirklich möglich ist,
das lerne ich dann überraschend doch noch an diesem herrlichen warmen Sommerabend.
Von einem Menschen, der nicht wiederzuerkennen ist, sich wirklich total gewandelt hat.
Und mich freundschaftlich zum Abschied umarmt, etwas, das früher undenkbar gewesen wäre...
Was wiederum die spontane Rückverwandlung des Menschen an meiner Seite auslöst.
Das geht also auch. Von Paulus ganz fix retour zu Saulus.
Eine äußerst lehrreiche Lektion!