Ein Termin auf dem Kalender, eingetragen seit heute.
Die letzten Tage waren schwierig, wie so viele es waren seit Mai,
da sich alles veränderte.
Und nicht zu verzeihen war und blieb...
Eine Fahrt zur Familie im Osten steht erneut an.
Wie immer ohne mich, denn bei diesem Familienclan hatte ich keine Chance.
Was sich verändert hat: die siebenundachtzigjährige Mutter hat Demenz.
Und alles Böse und Vorwurfsvolle ist scheinbar aus ihr gewichen.
Wir hatten ein freundliches Telefonat, voller Herzlichkeit.
Vermutlich, weil sie gar nicht wusste wer ich war. Oder eben gerade doch...??
Wäre ich dort gewesen, dann hätte ich sie einfach in die Arme genommen.
Weil ich sie so gut verstand, mit ihren jetzigen Ängsten und Gedanken.
Irgendwie seltsam ist, dass wir den gleichen Vornamen tragen,
was sie gar nicht weiß, oder wissen wollte und nun sowieso auch egal ist.
Ich hätte ihr gern gesagt wie gut ich sie verstehe,
da ihre Welt sich jetzt so sehr verändert hat und sie die alte stetig sucht...
Dass aber auch meine eine andere geworden ist,
obwohl viele Lebensjahre zwischen uns liegen.
Es wird ihr letztes Weihnachtsfest sein, denn auch der Körper verfällt.
So würde ich nicht enden wollen! Einerseits.
Andererseits hat sie noch ihren Ehemann, die vier "Kinder", deren Partner
und zahlreiche Enkel, fast alle in der Nähe und liebevoll bemüht um sie.
Mehr kann man sich kaum wünschen, in der letzten Weihnachtszeit...
Mein Mutter litt auch an Demenz und war dazu körperlich erkrankt.
Eine Operation stand an, die sie offenbar nicht wollte.
An einem Montag sollte ein Richter ins Krankenhaus kommen,
um sie zu entmündigen, aber sie starb bereits am Samstagnachmittag davor.
Ich erfuhr alles zu spät und konnte nicht eingreifen, aber vielleicht war es gut so!
Wie hätte ich entscheiden sollen? Mit Verstand oder Gefühl?
Viele Alzheimer-Patienten habe ich später ambulant betreut.
Ihnen damit ermöglicht in ihrem Zuhause zu bleiben, so lange das möglich war.
Ich dachte immer, dass man sich das für sich selbst auch so wünschen würde.
Aber es braucht die passenden Menschen dazu.
Und vor allem ein Herz voller Liebe.
Wenn die Erinnerung fliegt, dann halt sie nicht fest...
"Demenz ist der Nebel der Nacht" - das klingt akzeptabel für mich.
Aus mehreren Gründen nun...