Ein weiterer Umzugstag, dieses Mal mit größeren Teilen.

Im geräumigerem Auto. Seinem. Hat er gerade neu gekauft vor zwei Tagen.

Neue Frau, neues Auto, so einfach geht das. Altes wird als Müll entsorgt.

Wenigstens kommt das Angebot vier sperrige Objekte zu transportieren.

Von seiner Laune dabei will ich gar nicht reden.

Von der meinen auch nicht, obwohl sie ganz anders war. Vielleicht deshalb...


Die Küchentür war dabei, die ich gebraucht gekauft und abgeschliffen hatte.

Sie muss noch grundiert und gestrichen werden, das Glas und die Klinken fehlen noch.

Aber sie hängt im Rahmen und wird sich irgenwann schließen lassen. Wie alles...


Mein Haus hat (wie viele Häuser des 16.Jahrhunderts) fünf Halbetagen.

Zwei hatte ich schon in Augenschein genommen. Katastrophe, mehr oder weniger.

Heute war die mittlere Etage dran, mit dem Schlafzimmer, das früher so niedlich war.

"Er" hattte eine Großbaustelle daraus gemacht. Und dann aufgehört.

Es ist sein Lebenskonzept. Sich auf etwas stürzen, anfangen und zerstören...


Sehr schwer fiel es mir, nicht zu weinen und Haltung zu bewahren. Was blieb mir übrig.

Nach dem hinteren Raum betrat ich das Wohnzimmer zur Straße hin.

Meine schöne Eck-Sofagarnitur wurde entsorgt (Zitat: "Wir kaufen neu!").

Der Fernseher ist aus der Zeit gefallen, er wird nie mehr ein Programm empfangen.

Meine geliebten Pflanzen existieren nicht mehr, vieles ist lieblos hingeworfen...


Warum? Wieso? Was hat dieser Mensch in meinem Haus getrieben und wann?

Er war so oft tagsüber unterwegs, auf Baustellen, so sagte er immer. Und wo noch?

Das sehe ich jetzt. Er wollte es mir unmöglich machen zurückzukehren.

Weil er extrem besitzergreifend und krankhaft eifersüchtig ist!

Nun ist er es, der lügt, betrügt und verlässt. Einfach so. So einfach...


So leer wie mein Haus, fühlt sich auch mein Herz auf der Rückfahrt an.

Der Vernichtungsschmerz in mir flüstert: Weine doch, das hilft!

Aber der Kopf hält mich aufrecht mit: Diese Freude gönne ich ihm nicht...


Zurück im Moorland geht eine Email der Emder Nachbarin ein, mit Anweisungen.

Was an meinem Haus außen zu tun sei, Fotos hat sie als Anhang mitgeschickt.

Das ist in diesem Moment genau das, was mir noch gefehlt hat zum (Un)Glück.

Einem Spaziergang schließe ich mich an. Mit den Camino-Wanderstöcken.

Es tut gut in der Natur zu sein, Tiere, Bäume und den Himmel zu sehen...


Noch ein "gemeinsamer" Tag morgen. Letztes besprechen, abklären.

Dann ist "er" für eine Woche fort. Um bei "ihr" zu bauen, der neuen Liebe.

Wäre sie ein fremder Mensch, dann würde ich damit leben,

denn das würde zugleich meine Freiheit bedeuten.

Aber es ist jener Mensch, der mir am nahesten stand. Und mir nun verloren ist...


Womit soll ich jetzt anfangen, womit enden? Werde ich jemals fertig mit dem Haus sein?

Wird es überall Türen geben? Tapeten? Bodenbeläge? Lampen? Gardinen? Herd? Bett?

Im Moment fehlt es mir an der nötigen Vorstellungskraft dafür.

Ich möchte das Haus abschließen, den Schlüssel in den Delft werfen und fortgehen.

Aber das funktioniert so nicht. Ich muss mutig sein. Sehr mutig und stark...








Er wird mich vermissen wenn ich weg bin. Unser gemeinsames (?) Jahrzehnt.

Und nie begreifen, was er mir alles zerstört hat...


Er hat mir fast alles genommen, das ich hatte. Meine Zeit, mein Haus, mein "Selbst".

Und am Ende auch noch meine Kinder...


Ich müsste hassen. Aber das kann ich nicht. Es würde auch nichts ändern!