Alles ist so lange her, das fällt mir jetzt erst so richtig auf.

Da ich so oft zurück schaue und nicht mehr oft nach vorn.

Was sollte denn da auch noch kommen?

Es wird nicht nur üble Tage geben, so stelle ich es mir jedenfalls (noch!) vor.

Aber so richtig gute wohl auch nicht...

Wenn ich das so durchrechne ergibt sich immerhin eine Schnittmenge.


Im Frühling und Sommer dieses Jahres wollte ich so viel schaffen.

Und war doch oft wie gelähmt. Müde. Kraftlos. 

So gern wäre ich mal in der Sonne gewesen, aber es ergab sich kaum.

Wo denn auch? Allein? Mutlos. Irgendwie vernichtet.

Die Zeit rann mir durch die Finger wie Wasser aus dem Kran.

Die Pläne wurden immer geringer und seltener umgesetzt.


Wahrscheinlich habe ich "es" da schon gewusst, aber elegant verleugnet...


Songs von Joan Baez hab' ich am heutigen Abend angehört.

Mich erinnert, wie wir als Schüler zur Abschlussfahrt mit dem Bus fuhren.

Eine stundenlange Fahrt ab dem Ruhrgebiet bis zur Küste.

Und danach noch weiter mit der Fähre ab Norddeich zur Insel Juist.

Wir sangen. Auch ich. Textsicher bei den Songs von Joan Baez.


Es folgten einige Abende bei Lagerfeuer und in den Dünen sitzend.

Und da wir eine reine Mädelsgruppe waren (ja, solche Schulen gab es!),

sangen wir auch die Lieder weiblicher Stars. 

"House of the Rising Sun", das war unsere erste Wahl. 

War gerade "in" würde man heute sagen.

Und natürlich auch: "Sagt mir wo die Blumen sind...


Es war "unsere" Zeit. Wir waren gegen Krieg, gegen Pershingraketen, die USA.

Trugen kurze Röcke und lange Haare.

Erwarteten, dass nun "das Leben" kommen würde.

Für das wir so lange zur Schule gegangen waren. 

Aber wir waren eben "nur" Mädchen und die Zeit noch nicht reif für uns.

Wir heirateten, oder auch nicht, bekamen Kinder. Verdienten weniger.


Natürlich war unser Leben ein ganz anderes, als jenes unserer Mütter.

Besoonders bei mir, denn meine Eltern waren bei meiner Geburt vierzig Jahre alt.

Heute wär's kein Thema, damals waren das fast "alte" Leute.

Mit wenig Verständnis für einen jungen Menschen, aber voller Erwartungen.

Zumal ihre eigene Ehe brutal in die Brüche gegangen war.

Es ging immer nur darum. Um sie und ihre Befindlichkeiten, ihren Hass aufeinander.


Auch an die Zeit im Waisenhaus habe ich mich in diesen Tagen erinnert.

Mit all' dem Leid, dass das mit sich brachte.

Dazu wurde ich "Verschick-Kind", was auch nicht besser war.

Meistens aber war ich allein, meine Mutter in Kliniken, oder zu Kuren gefahren.

Das Leben ist verdammt kurz, wenn man in meinem Alter darauf zurückschaut.

Jedenfalls im Blick auf die Zukunft. 



Die Songs von Joan Baez höre ich immer noch.

Und manchmal singe ich in der Erinnerung mit...




Abschiedskonzert in Dresden 2012:



und:





Die Zeit bleibt nicht stehen.

Und das ist auch gut so...


Es kommen "neue Menschen" nach uns.

Klügere??? 

Ich bezweifle es mit dem derzeitigen Blick auf die Welt...