das ist keine Frage...

 

Die Wollträger mag ich sehr. Vermutlich wegen ihrer Sanftmut. Und weil es überhaupt nicht zutrifft, sie als "dumm" zu bezeichnen. In der Zeit meines ersten Hauses graste nämlich im Garten desselben mein eigenes Schaf, welches anhänglich und klug wie ein Hund (oder eine Katze?) war. Denn mit meinen beiden Schnurr-tigern verband das  Lamm so etwas wie Seelenverwandschaft und die Bande tobte gemeinsam durch den Garten. Woher sollte das Schwarzbraune wissen, dass es kein Haustier war, im Sinne von drinnen lebend?

Noch immer erzählen wir Geschichten vom Lamm im Badehandtuch in der heimischen Wanne, von den Kids aus dem Regen gerettet ("Aber Mama, es wurde doch ganz nass draußen!"). Oder wie es unbedingt mit ins Wohnzimmer wollte und aufs Sofa um fernzusehen, weil die beiden Spielkameraden dort lagerten und sich das Fell putzten. Wie selbstverständlich folgte es dem Nachbarn der ihm Äpfel als Leckerlis brachte unbe- merkt über die Straße und in seine Küche, um das Depot der edlen Spende ausfindig zu machen.

Legendär auch unsere Spaziergänge durch den Ort und rund um den Schwanenteich, zwar mit schmuckem Lederhalsband, aber ohne Leine, da diese gänzlich überflüssig war. Eines Abends wurde wieder einmal mit einem ebenfalls Gassi gehenden Hund getobt, bis die Frage aufkam: "Was für eine Rasse ist das denn?" Als meine Antwort lautete: "Ostfriesisches Milchschaf", war das Spiel vorbei mit dem Ruf: "Menno komm' so- fort her, das ist kein Hund, das ist ein Schaf, damit kannst du nicht spielen!"  In ostfriesischem Plattdeutsch klang das sehr lustig, für die Tiere aber weniger, denn der Spaß war vorbei und wir trotteten heim. 

 

Dieser Tage entdeckte ich bei designboom Fotos, die mich an das dunkle "Flöckchen" erinnerten. Denn der in Los Angeles lebende Fotograf Gray Malin kreierte eine Serie von Bildern, die bunte Schafe beim Grasen zeigen. Malin fühlte sich zu der Serie "Dream" inspiriert, als er von schottischen Bauern las, die das Fell ih- rer Schafe zum Schutz gegen Diebe einfärbten. Die verwendete Farbe ist ungiftig und rein pflanzlich. Ich besah mir die Fotos zunächst nur belustigt. Erst viel später dachte ich intensiver über deren Aussage nach. Geht es da nur mir so?

 

                                                                                            

                                    

 

                                    

 

                                    

 

Schaf ist Schaf, jedenfalls innerhalb einer gleichförmigen Herde. Wie nehmen sie sich gegenseitig wahr? Ver- mutlich einfach als das, was sie sind. Aber wenn nun eine gewisse Anzahl von ihnen plötzlich in schmeicheln- dem GELB auftritt, modischem MAGENTA, PINK oder TÜRKIS? Entstände eine Hierarchie? Welche Farbe hätten die Bosse? Welche würden sich die Schafe aussuchen, wenn sie eine Wahl hätten? Würden sie über- haupt farbig sein wollen, oder bleiben wie sie waren? Sich dem Trend anpassen, oder sie selbst bleiben?

 

                               

 

Ist man wiederum noch ein Individuum, wenn man sich dann doch wieder in einer Horde ebenfalls gelber, grüner, blauer oder roter Gefährten wiederfindet? Braucht es dann nicht immer mehr zur Unterscheidung? Also bunte Karomuster, schmale oder breite Quer- oder Längsstreifen, Rauten, Punkte, toupiertes Fell, ganz kurzes, Pudelkrönchen auf dem Haupt, einen rasierten Rücken oder gar ein komplettes WAXING? Glöckchen um den Hals, Ringe im Ohr, Bänder um's Bein, kontrastfarbig buntes Gesicht, oder, oder, oder... Dazu gehören, sich abheben, oder komplette Distanz? Innovativ sein, oder sich auf die Tradition besinnen?

Welche Folgen hätte das? Für die Herde, den Schäfer, die Hunde? Würden sich ihre Aufgaben, die ganze Be- stimmung an sich verändern? Wäre es die Hölle, oder das Paradies? Für alle, oder Einzelne?

 

                          

 

Würden alle friedlich miteinander leben, ganz gleich welcher Farbe?

Ähnlichkeiten mit lebenden Menschen sind natürlich rein zufällig... Oder?

 

 

 

 

 

Wenn jetzt gestern wär', könnten wir noch alles ändern.
Wenn jetzt gestern wär', müsste alles nicht so enden.
Wir wären so gerne perfekt, müssen uns ständig beweisen.
Doch die Zeit rennt uns weg,
dabei ist es so einfach zu begreifen.

Eigentlich sollten wir stark sein, doch wir sind nur wer wir sind.
Wir müssen steigen und wir müssen fallen 
wir sind zum Scheitern bestimmt.
Eigentlich sollten wir gut sein, doch wir sind nur wie wir sind.
Weil der Tag nicht ohne die Nacht beginnt 
es ist gut wer wir sind, es ist gut wie wir sind.


Die Welt gerät aus den Fugen,
wo sollst du dich positionieren?
Es wird immer schwerer zu entscheiden, ohne sich dabei zu verlieren.
Was ist falsch, was ist echt?
Was ist gut, was ist schlecht?
Du gibst jeden Tag dein Bestes und wirst dir dabei doch nicht gerecht.

Eigentlich sollten wir stark sein, doch wir sind nur wer wir sind
Wir müssen steigen und wir müssen fallen 
wir sind zum Scheitern bestimmt
.
 

Eigentlich sollten wir gut sein - doch wir sind nur wie wir sind...

 

 

 

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