Wie es genau passiert ist, das kann ich nicht sagen. Gesehen habe ich nämlich gar nichts. Es war mit- ten in der Nacht, ich stand aus dem Schlaf gerissen bleiern müde auf, um nach oben ins Bad zu ge- hen. Auf dem Weg retour nach unten ist es dann passiert. Ich fiel ins dunkle Nichts. Abfangen un- möglich, wenn man rein gar nichts sieht...

In den kommenden drei Tagen bin ich im Bett geblieben. Kalt ist es eh und mir tat alles weh, ange- fangen vom ohnehin verletzten Bein über das nun angeschlagene Knie auf der anderen Seite, einem verrenkten Handgelenk wiederum rechts und einer mächtigen Beule auf der Stirn über dem linken Auge, plus einer Schnittwunde an der Nasenwurzel. Na prima!

Da ich ein im Grunde echt positiver Charakter bin, habe ich gedacht: Nur gut, dass ich immer so ein Glück hab'! Es ist mir fast nix passiert, wo es ganz anders hätte ausgehen können! Gott sei Dank!

Wenn man tagelang so nutzlos herumliegt schweifen die Gedanken. Zu dem was war, was ist, und was vielleicht sein könnte. Dort hinein platzt abends ein Anruf meiner "guten Fee".  Unsere Freund- schaft währt nun im achten Jahr und auch wenn es Höhen und Tiefen darin gab und sie ein paar Kratzer abbekam in dieser Zeit, so blieb sie doch unerschütterlich.

Wir quatschen fast vier Stunden lang. Weil Fee einen Entschluss gefasst hat. Auf meinen Rat zu hö- ren. Ihr Haus soll weg! Meines auch, das passt irgendwie. Wir erinnern uns daran, wie sie in ihres gerade teilweise eingezogen war, die Möbelfirma schon mal ein Bett geliefert hatte, auf dem sie mit den Beinen baumelnd und telefonierend saß. Und ich hier zurück in meinem Haus, auch proviso-risch. Es hallte, wenn wir sprachen. Wegen der leeren Räume. Und wir fühlten uns verbunden wie damals, im Frühjahr 2007, da sich unser beider Leben veränderte...

Jetzt soll es wieder so sein. Nur sind unsere Vorstellungen gegensätzlich. Aber waren sie das nicht immer schon? Wir diskutieren, verteidigen, erklären, lachen laut. "Wir hören voneinander!" sagen wir immer am Ende. Sicher, dass es so sein wird.

Weit nach Mitternacht. Und wieder umgibt mich Dunkelheit. Über G.O. hatte Fee lange geredet. Sie fand ihn toll. "Er ist wirklich ein Hübscher", sagt sie, "mir ist er gleich aufgefallen im Fernsehen!" Mir ist er auch aufgefallen, aber anders. Dass er gut aussieht habe ich erst viel später festgestellt. Weil es mir absolut unwichtig war. Ich sah in sein Herz. Zweigeteilt in dunkelschwarz und leuchtend hell. Mit der einen Seite konnte ich gar nicht umgehen, die andere war voller Liebe. Aber es gab nur beides zusammen. Was nicht funktionieren konnte...

So manche Menschen von meinen verschiedenen Jakobswegen fielen mir ein. Von manchen wusste ich, was aus ihnen geworden war. Von anderen nicht. Eine Mail wurde verschickt. "Wie geht es Dir, was machst Du so?" Sie ging hinaus ohne Probleme, also gab es die Zieladresse noch.

Die Antwort kam rasch. Und war erstaunlich. Ach?! Ich hätte doch Galicien immer so sehr geliebt, ob ich dort nicht ein Haus kaufen möchte? Nein, nun wirklich nicht. Da ist so ungeheuer viel Wald und (fast) alles ist grün (wegen des Dauerregens). Grün ist allerdings meine Lieblingsfarbe... Und den Zauberwald habe ich auf jedem Weg wieder als magisch empfunden... Nachfragen kostet nichts. Das Haus schon. Bestimmt unerschwinglich!

 

 

Fotos erreichen mich. Ja, ganz nett. Typische Bauweise eben. Rustikal. Natursteine. Kleines Dorf. Edward, Du erinnerst Dich, wie der Ort aussah, wo wir uns an den Katzen begegneten?! So unge- fähr. Ich scrolle hinunter zum Preis. Weil man über 40.000€ oder gar noch mehr überhaupt nicht zu reden bräuchte. Thema durch... Aber es ist ganz genau jene Summe, die ich mit Gott abgemacht ha- be. Als "Erkennungszeichen" sozusagen. Hmmm...

Wo liegt denn dieser Weiler genau? Und wie heißt der Ort wo man seine Besorgungen erledigen wür- de? Dort war ich auf dem Markt im letzten Jahr und in der kleinen Stadt zwanzig Kilometer weiter, da hab' ich übernachtet. Zum vierten Mal schon, im Laufe der Jahre. Die kenne ich gut. Es gibt dort so einige Geschäfte und vor allem EROSKI, den span. ALDI sozusagen. Sehr wichtig für preiswerte Grundnahrungsmittel!

 

 

Zurück im Bett wird weiter nachgedacht. Wie war das noch mit der Sprache? Gallego= weitaus mehr Portugiesisch, als Spanisch. Wie weit ist es überhaupt von dort bis nach Porto? Bis nach Santiago wären es 65 km. Aber was wollte ich da, als Nicht - Pilgerin? Nun, ich könnte locker zu allen vier Jah- reszeiten die berühmten letzten hundert Kilometer des Camino Francés gehen, um eine Compostela (den kirchlichen Sündenerlass) zu erhalten. Und mittendrin daheim übernachten. Denn der Jakobs- weg wäre ganze 3 km vom Haus entfernt...

 

Spinnerei ist sowas! Was will ich denn allein in einem galicischen Landhaus?

Nächster Gedanke: Was wollte ich allein in einem anhaltinischen Haus?

Ich warte jetzt auf den Grundriss. Natürlich ganz unverbindlich, nur mal so...  

 

 

 

Seltsam, die Erinnerung an die Caminos ist zurück, als wäre ich sie gerade erst gegangen.

Sie wird mir auf immer bleiben. Und ich bin unendlich dankbar dafür. Ja.

 

 

 

 

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