Das frühere Schlafzimmer ist der nächste Raum, den ich in Angriff nehmen will.
Als ich die (immer klemmende) Tür öffne wirft mich der Anblick, der sich bietet, um.
Alles, aber wirklich alles steht nicht mehr an seinem Platz, sondern mittendrin.
Es ist das mittlerweile gewohnte Chaos um mich her, nicht meines, sondern seines.
Wie ist das denn nur möglich? Ich bin doch fortgegangen um mein Haus davor zu schützen?!
"Er" steht neben mir und reagiert auf meine Nachfrage gewohnt aggressiv.
Hätte ich sein "Hilfsangebot" doch nur ignoriert, ich ahnte den Ärger, nun ist er da!
Wer hat in diesem zuvor liebevoll eingerichteten Raum alles dermaßen zerstört?
Es kommt dafür nur ein einziger Mensch infrage, Diskussion unnötig.
Aber natürlich erfolgt sie in gewohnter Heftigkeit, die ich nicht mehr dulden will!
So einige Jahre hat es gedauert, bis ich alles in einen Zusammenhang bringen konnte.
Die permanente Unordnung. Vergesslichkeit von jetzt auf gleich. Den unberechenbare Zorn.
Ich hätte es wissen müssen. Die Anzeichen wie ein Mosaik zusammensetzen sollen.
Aber immer hatte ich das irgendwie als eine Eigenheit von Kindern angesehen.
Durch die Trennung fiel es mir wie Schuppen von den Augen, spät, aber noch rechtzeitig!
Auch Untreue gehört zum Schema und was man selbst tut, das traut man auch dem Partner zu.
Ich war es am Ende so leid. Mich zu verteidigen, zu erklären. Als Person zu verschwinden.
Zu leben mit dem ganzen realen und eingeredeten Mist um mich her, der nie endete.
Bei einem Dreijährigen hofft man auf Reife, Entwicklung, bessere Kommunikation.
Nichts davon tritt mehr im Rentenalter ein, im Gegenteil, alles verstärkt sich mehr und mehr!
Mein Leben lang habe ich mich privat und beruflich mit Geist und Seele beschäftigt.
Die Gerontopsychiatrie wurde mein Spezialgebiet. Was in diesem Fall nichts half.
Man würde die Eigenheiten mehr in die frühe Kindheit verorten, das irritierte mich.
Aber in den letzten Wochen fiel es mir endlich wie Schuppen von den Augen. Und Ohren.
Plötzlich passte alles zusammen. Das Puzzle erhielt seine letzten Teile. Ein erschreckendes Bild!
Was hätte denn noch kommen sollen/können? Wie lange hätte ich noch gerätselt?
So gesehen muss ich dankbar sein, dass es gekommen ist, wie es sich nun ergeben hat.
Diesen Mann würde ich keiner Frau wünschen. Zu wirklich allerletzt meiner Tochter.
Und doch bringt mir diese Situation die Freiheit, wenn auch zu einem hohen Preis.
Aber ich ahne, dass dies noch lange nicht das Ende der Fahnenstange ist...
Der Raum ist definitiv nicht mehr zu erkennen, ein einziges aufgetürmtes unvorstellbares Chaos!
Ich brauche Zeit mich zu fassen und äußerlich einigermaßen ruhig zu wirken.
Er war es nicht! Hat keine Tapeten unmotiviert von den Wänden gekratzt,
ein Drittel des neuesten Laminats im Haus herausgerissen
Ich frage nach, wer die Möbel und alles was zuvor darin war in der Raummitte aufgetürmt hat.
Das war natürlich die absolut falsche Reaktion. Hinterher ist man immer schlauer!
Aber unter Schock kann man schon mal Fehler machen, das gestehe ich mir zu.
Und frage mich welche Reaktion denn wohl angemessen gewesen wäre?
Vielleicht hätte ich laut loslachen sollen, bis mir die Tränen kamen.
Aber dazu fehlte mir der Humor in diesem Moment, das muss ich zugeben!
Seine Antwort schlägt dann dem Fass den Boden ins Gesicht, was hatte ich denn erwartet?
Könnte ich gar nicht konkret beantworten, jedenfalls nicht das, was kommt!
Es gibt nur zwei Schlüssel zum Haus, also zwei Menschen die Verursacher sein können.
Wenn er es nun nicht war, was er bitterböse sofort laut kund tut (warum sollte er?),
dann muss ich es offenbar im Zustand geistiger Umnachnachtung gewesen sein, na klar!
Gäbe es einen Stuhl: Ich würde mich erst einmal hinsetzen, aber da ist keiner!
Das ist alles so irre, im allerwahrsten Sinne des Wortes, das ich mich fassen muss.
Das ist denn wiederum mein Vorteil. Ich blende aus und suche nach einer Lösung.
Stelle gedanklich eine "To-do-Liste" auf, von aufräumen, sortieren, bis tapezieren.
Versuche meine Stimme fest, energisch klingen zu lassen, nur keine Schwäche zu zeigen!
Es hilft mir mich an einer Wand quasi festzuhalten. Die aber leider etwas schief ist.
Daran kann man arbeiten, das wäre dann doch schon mal ein Anfang.
Wenn man dabei ist, kann gleich noch der alte Heizkörper ersetzt und versetzt werden.
Wenn schon, denn schon. Also Installateur suchen. Rigips, Schrauben und Dachlatten kaufen.
Wann kann "es" geschehen sein? Egal, es ist, wie es ist. Er hat keinen Schlüssel mehr!
Wenn ich mit allen Sachen zurück in Emden bin, dann wird alles verriegelt und verrammelt.
Die Polizei bietet Sicherheitsberatungen an und so eine werde ich wahrnehmen.
Und fest daran glauben, dass ich irgendwann meine Freiheit ganz zurückgewinne.
Einen neuen Freundeskreis aufzubauen wird dazu gehören, Menschen bedeuten Schutz.
Zeit auch. Aber da ist der Knackpunkt. Meine erscheint mir nicht mehr als unendlich.
Wie es ein junger Mensch annehmen würde. Ich sehe eher die Endlichkeit.
Die ich keinesfalls in Emden erleben wollte!! Die Sanierung meines Hauses auch nicht.
Schon gar nicht wollte ich die Beziehung zu meinen Kids verlieren. Und nun?
Was hat dieser Mann mir alles zerstört! Meine Familie ist der höchste Preis...
Gelungen ist ihm auch definitiv, dass mir eine rasche "Flucht" unmöglich ist.
"Wasser" im Haus (aber bitte innerhalb der Leitungen!) ist dafür eine Voraussetzung.
Die Gastherme wird nicht mehr laufen, aber dürfte sie noch? Abklären!
Kein Internet, Telefon, der Strom ist labil. Ein Bett? Sofa? Schränke?
Es gibt dunkle Nächte, das gebe ich zu. Aber ich habe auch sonnige Tage. Viele.
Und letztere sollen bitte mehr und mehr werden,
ich habe sie verdient, wie (fast) jeder Mensch...