Dieser Tag würde über meine Zukunft entscheiden, das war mal klar...

Wie ungeduldig habe ich ihn erwartet!

Endlich kommt der Zuständige von der Stadt zum Thema Wasser.

Dass es kein Handwerker ist, der gleich austauscht, das ist mir klar.

Zuerst kommt der Beamte, dann der Installateur, 

wir sind ein Verwaltungsstaat!

Urkurz habe ich in der Nacht geschlafen, so viel hängt vom Termin ab...


Erstaunt stelle ich fest, in der Küche erwartet zu werden.

Und das nach der gestrigen Diskussion, die es in sich hatte.

"Er" will mich fahren und mir den Rücken stärken.

Ach ja? Das ist ja ganz neu und gab es so noch nie!

Da es mir nicht gut geht willige ich sogar ein. Bin selbst erstaunt darüber.


Die Nachbarin (2. Nutzerin des Doppelanschlusses) ist noch nicht da,

die Wartezeit nervig, aber unvermeidbar.

Der Verursacher allen Übels besichtigt die Räume,

bzw. das, was noch von ihnen übrig geblieben ist.

Alles, was ich schon dorthin zurück gefahren habe,

das stapelt sich auf und das bis zu den Zimmertüren.


Er wird merkwürdig still.

Vielleicht, weil er erst jetzt begreift, dass ich wirklich gehe!

Der Mensch von den Stadtwerken erscheint und geht ins Nachbarhaus.

Dort war es offenbar einfach, hinterher bei mir hat er nun das Gegenteil!

Er prüft, guckt, verfogt den Verlauf der Rohre und beginnt von vorn.

Erklärt mir abschließend, dass ich zwei Wasseranschlüsse hätte.


Dann überprüft er die andere Straßenseite, sein papierner Plan verwirrt ihn.

Am Ende erklärt er, dass ich einen neuen Anschluss haben muss!

Links, statt bisher rechts. Ich muß mich am Türrahmen festhalten.

Von der Außenwand quer durchs Haus auf die andere Seite?

Wo doch der Boden des historischen Hauses geklinkert ist?


Ein dritter Anschluss, wo ich zwei habe und alles auf meine Kosten?

Oberirdische Wasserrohre quer durch's Erdgeschoss? Warum?

Ich sage dem Mann, dass ich älter bin, als er vermutlich denkt.

Gerade dabei, meinen Partner zu verlassen und zurückzukehren.

Nenne ihm die Höhe, oder besser Tiefe meiner monatlichen Rente.

Kein Mensch hat sich je für meine Installationen imteressiert!

Nun sind sie plötzlich von 1994 und müssen erneuert werden???


Das verkrafte ich nicht mehr. Es ist das Ende meines Kampfes.

Und das sage ich auch. Dass ich weder das Geld noch die Kraft dafür habe.

Solche unsinnigen Experimente zu überstehen.

Dass ich nicht mehr kann und will!!

Meine Stimme zittert, ich kämpfe darum nicht zu weinen.

Nicht vor diesen Leuten...


"Was soll ich jetzt tun", frage ich leise, "das ist dann mein Ende!"

Und in diesem Moment wünsche ich mir tatsächlich tot umzufallen.

Möchte nicht mehr reden, nicht mehr denken, aufhören zu fühlen.

Schluss, Ende, aus. Der letzte Vorhang soll fallen.

Die drei Menschen um mich herum sind plötzlich ganz still.

Vielleicht haben sie gespürt, wie sehr jemand da kämpft.

Für sich und um den Rest seines Lebens. Und wie echt das ist.


Der junge Mann entscheidet sich dafür mir eine Sondererlaubnis zu geben.

Wegen der besonderen Umstände.

Ich "darf" die vorhandenen Anschlüsse weiter nutzen, mit Sondererlaubnis.

Mir fallen Steine vom Herzen, die größer sind als Felsen.

Aber Wasser habe ich natürlich trotzdem nicht. Das bleibt abgestellt.


Nun soll ein Installateur her, der den Absperrkran erneuert.

Das hätte ich schon lange haben können, es hieß aber immer ich dürfe nicht!

Auf der Rückfahrt wird wenig geredet, ich starre aus dem Fenster.

Auf die heute graue, aber immer weite ostfriesische Landschaft.

Nichts hält den Blick fest, bis zum entfernten Horizont.


Ich möchte nach oben rennen, in meine Abstellkammer unterm Dach.

Aber der Mann, der kaum je mit mir geredet hat, der will eben das nun.

Ich höre zu, bin mit meinen Gedanken ganz woanders, verständlicherweise.

Es ist das allererste Mal, dass "er" kämpft. Auf seine Art.

Vielleicht hat er in meinem Haus gemerkt, wie ernst mir alles ist.

Es wird ein langes, zunächst sehr einseitiges Gespräch.

Was mir egal ist, denn heute habe ich rein gar nichts mehr zu verlieren...


Und nun? Denke ich darüber nach wie ich leben kann und will.

Leben, nicht überleben, keine weitere Opferung von Jahren.

"Er" schickt meiner Tochter eine Nachricht per Smartphone.:


"Ich werde morgen nicht zu dir kommen, ich möchte 

die Beziehung mit Gabriele wieder in Ordnung bringen."


Was soll ich dazu sagen? Auf die Knie fallen, ihm danken?

Was war, das war und ist nicht rückgängig zu machen!

Sternstunden waren selten, in unseren mehr als zehn Jahren.

Glaubt er wirklich daran sich zu ändern, urplötzlich?

Ich jedenfalls nicht!!!


Auf der Treppe zu meiner Kammer singe ich leise: "Fields of gold".

Und erinnere mich an meine Jakobswege, oft mit Musik im Ohr.

"Felder aus Gold", das passte, ich sah sie immer wieder bis zum Horizont.

Im Bett klappe ich das Notebook auf, öffne youtube.

Was wird mir angezeigt? "Feld aus Gold", die deutsche Version.



Zufälle gibt es nicht, so sagt man. 

Warte auf mich, mein geliebter Camino...










Wie wir damals war'n
Wie wir heute sind
So weit wir auch gingen
Nur zeriss'ne Welt
Ein geflicktes Zelt, irgendwo ein Feld aus Gold...


Unser kaltes Herz liebte ungenau mit Trauern und Erschauern
Was uns aufrecht hält
War so heiß gewollt, dieser Traum vom Feld aus Gold

Und wir legten los unter Himmeln groß
So schön und so gefährdet
Manchmal hell und bloß wie ein warmer Schoß oder wie ein Feld aus Gold...


Nachts am Himmel leuchten fremde Zeichen
Manchmal wie ein bunter Ball, der rollt
Fernes Ziel und niemals zu erreichen
Sehnsucht sucht ihr Feld aus Gold
Sehnsucht sucht ihr Feld aus Gold...


Lass uns anders sein, nie mehr Herz aus Stein
Keine Kriege, keine Feinde
Trink den roten Wein
Wandeln wir die Welt in ein weites goldnes Feld
Wie wir damals warn
Wie wir heute sind, wohin wir auch gehen,


Was ich je gewollt, war der blaue Ball als unser Feld aus Gold,
Unser Feld aus Gold...